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Ein Kompass liegt auf der Wiese

Offizieller Studienführer für Deutschland

Zu sehen ist ein Atelier mit dem Fokus auf einen Pinseltopf.
Bei aller Vielfalt haben viele künstlerische Studiengänge eines gemein: die Strenge der Bewerberauswahl. Foto: Thomas Riese

Wie wird man eigentlich Künstler/-in?

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Auf die Frage, wie er zur Kunst gekommen sei, zuckt Reto Buser mit den Schultern und antwortet dann nach einigem Nachdenken. „Schritt für Schritt. Irgendwann wusste ich: Ich muss jetzt Kunst machen“. Vor der Entscheidung für ein Kunststudium an der Hochschule für bildende Künste in Hamburg hat der junge Schweizer schon die Promotion in Biologie beendet. „Mein Einstieg in die Kunst war die Fotografie, aber meine Interessen haben sich weiterentwickelt: Heute kann ich mich auch für Bildhauerei oder das Medium Film begeistern“, erklärt er.

Kreativität, Disziplin und Mut gefragt

Weil der Sprung von der Biologie zur Kunst selbst für kreative Geister groß ist, besuchte Reto Buser zuerst einen Vorbereitungskurs an der Zürcher Hochschule der Künste (ZHDK). Dort lernte er das „Handwerkszeug“ für Kunstschaffende, und zu allererst die Konzeption von eigenen Werken. Außerdem erhielt er Einblicke in die Grundlagen unterschiedlicher Disziplinen wie visuelle Kommunikation, Fotografie oder Zeichnen/Malerei. Eine gute Wahl der Vorbereitung, wie Annedore Bröker, Beraterin für akademische Berufe bei der Arbeitsagentur in Hamburg, findet. „Die Ansprüche der künstlerischen Hochschulen an Studienbewerber sind so hoch wie unterschiedlich. Das Nutzen von Beratungsangeboten der Hochschulen und vielleicht noch entsprechender Vorkurse kann ich allen Studieninteressierten nur ans Herz legen.“

Reto Buser hat dunkles langes Haar und blaue Augen.

Reto Buser

Foto: Privat

Seine Bewerbungsmappe für den Bachelor „Bildende Künste“ war ein Brückenschlag zwischen seinen Disziplinen, wie der 31-jährige erzählt: „Ich habe unter anderem eine Bilderserie und eine fotografische Recherche über Tintenfische gemacht. Sicherlich kam da der Biologe durch.“ Die Prüfungskommission der HFBK Hamburg hat die Mappe jedenfalls überzeugt – und so konnte er sein Kunststudium antreten. Damit unterscheidet sich diese Aufnahmeprüfung klar von denen für andere künstlerische Studiengänge wie Schauspiel, Tanz, Musical oder Musik, bei denen – neben praktischen Präsenzprüfungen – auch Prüfungsgespräche über die Theorie und Geschichte der entsprechenden Disziplin Pflicht sind (siehe auch Reportage: ).

Große Auswahl an Studienangeboten

Insgesamt ist die Palette der Studiengänge im Bereich Kunst sehr ausdifferenziert – im Bereich Musik lassen sich einzelne Instrumente, Gesang, Komposition oder Dirigieren, aber auch Jazz/Pop oder beispielsweise Kirchenmusik studieren. Hinzu kommen Angebote aus der sogenannten darstellenden Kunst – etwa Ballett, zeitgenössischer und klassischer Tanz, Schauspiel, Musical oder Musiktheater – und der bildenden Kunst, zu der unter anderem Bildhauerei, Malerei, Plastik und Grafik, aber auch Film, Fotografie und Design gehören.

Bei aller Vielfalt haben viele Studiengänge eines gemein: die Strenge der Bewerberauswahl. Denn trotz schwieriger Berufsaussichten kommen auf einen künstlerischen Studienplatz häufig vier oder fünf Bewerber/-innen, und nur die Talentiertesten mit entsprechender Vorerfahrung meistern diese Hürde. Gleichzeitig können Kandidaten/-innen mit ganz besonderer Eignung auch ohne Hochschulzugangsberechtigung studieren.

Freiheit muss man lernen

An der HFBK spricht die Prüfungskommission nach dem ersten Studienjahr eine Empfehlung zur sogenannten Klasse und der passenden Richtung der bildenden Kunst aus. Reto Buser besucht eine Klasse für zeitbezogene Medien. Hier geht es vor allem um Installationen sowie Video- und Foto-Arbeiten. „Die Klasse bildet neben einigen Seminaren und Vorlesungen den Rahmen des Studiums. Dort trifft man sich regelmäßig und spricht über sein aktuelles Projekt. Das Feedback der anderen Studierenden und des Dozenten ist gerade am Anfang wichtig“, sagt er. Ähnliche Klassenstrukturen gibt es auch in der Musik und beim Tanzstudium.

In seinem ersten Kunstprojekt stand bei Reto Buser ein Familienerbstück im Mittelpunkt. „Ich habe aus einem alten Silberlöffel chemisch das Silber gelöst und daraus Fotopapier hergestellt. Auf diesem Fotopapier habe ich wiederum ein Bild des Löffels entwickelt“, erklärt das Multitalent. Für derartige Projekte sieht sein Stundenplan sehr viel Zeit vor: Nur ein paar Vorlesungen und Seminare – etwa zu den Grundlagen der Kunstwissenschaft – sind Pflicht, alles andere darf und muss er sich frei einteilen. „Das erste Jahr dient der Orientierung. An die große Freiheit als Künstler muss man sich erst mal gewöhnen“, lacht Reto Buser. In anderen künstlerischen Studiengängen, v.a. in Musik, sind durch feste Übungszeiten und einen höheren Theorieanteil deutlich strengere Studienstrukturen üblich.

Die Fähigkeit, frei zu arbeiten, gepaart mit künstlerischem Talent und Kreativität ist auch für Berufsberaterin Annedore Bröker essentiell für den späteren Berufsalltag: „Die Berufssituation ist oft schwierig, dementsprechend muss man nicht nur von seinem Talent überzeugt sein, sondern auch die Bereitschaft zum freien Arbeiten mit großer Mobilität und Selbstvermarktungsaufwand mitbringen.“

Eignungsprüfungen

Theorie, Praxis – und jede Menge Talent

Egal ob Musik, Schauspiel, Tanz oder Kunst – ohne einen Nachweis von Talent und Kreativität erhält kein(e) Studienbewerber/-in einen der begehrten Plätze. Die Art und die Anforderungen der Eignungsprüfungen sind dabei verschieden.

Der gute Abi-Schnitt, der bei der Zulassung zu vielen Studiengängen eine wichtige Rolle spielt, eignet sich für künstlerische Studiengänge nur bedingt als Kriterium. Stattdessen setzen die Hochschulen auf Eignungsprüfungen, entweder in Form von Mappen mit eigenen Bildern und Skizzen oder Präsenzprüfungen mit Vorspielen, Vorsprechen oder Vortanzen. „Neben dem Talent legen die Hochschulen Wert auf die Persönlichkeit und die Interessen der Bewerber/-innen“, erklärt Annedore Bröker, Beraterin für akademische Berufe bei der Agentur für Arbeit in Hamburg. „Jede Hochschule hat bei der Aufnahme ihre eigenen Ansprüche. Darum rate ich allen Interessierten, sich genau beim jeweiligen Fachbereich über die Anforderungen zu informieren.“

Zu sehen ist die Hand einer Frau, die eine Kohlezeichnung bearbeitet.

Foto: Sonja Trabandt

Eine gute Vorbereitung bietet etwa die Hochschule für Musik und Tanz in Köln: „Bewerber/-innen können Lehrkräften der Hochschule vorspielen und bekommen dabei eine Einschätzung über den Stand ihrer Fähigkeiten und die Chancen bei einer Aufnahmeprüfung“, erklärt Professor Tilmann Claus, Dekan des Fachbereichs 1 (Klavier, Komposition, Neue Musik, Zupfinstrumente).

Theorie bereitet Schwierigkeiten

Ein sinnvolles Angebot – immerhin bewerben sich allein in Köln auf rund 18 Bachelor- und zwölf Master-Studienplätze bis zu 180 junge Musiker/-innen. Entsprechend hoch sind das Niveau und der Anspruch an die Studienanfänger/-innen. Eine Klavierprüfung besteht aus einem Programm mit Stücken vom Barock bis zur zeitgenössischen Musik, das weit fortgeschrittene Fertigkeiten zeigen soll. „Die Auswahl ist den Bewerbern/-innen selbst überlassen. Hier können wir schon erste Rückschlüsse auf die musikalische Vorbildung ziehen. Beim Spielen achten wir auf die Ausdrucksmöglichkeiten, die Technik und natürlich das Entwicklungspotenzial“, erklärt Professor Claus. Wer im Vorspiel überzeugen kann, wird im zweiten Teil der Eignungsprüfung in Theorie getestet. „Noten, Intervalle und Akkorde sowie ein zumindest ansatzweise ausgebildetes musikalisches Gehör stellen die Kandidaten/-innen häufig vor größere Schwierigkeiten. Die musikalische Vorbildung vieler beschränkt sich leider auf das Instrument“, so der Musikprofessor.

Eine Schwierigkeit, die man an der Kölner Hochschule auch im Fachbereich Tanz kennt. „Leider fehlt es häufig an Hintergrundwissen. Wir haben immer wieder Bewerber/-innen, die sich in der zeitgenössischen Tanzkunst nicht auskennen und nur wenige Stücke gesehen haben“, sagt Professorin Vera Sander, Leiterin des Zentrums für Zeitgenössischen Tanz (ZZT).

Individualität ist wichtiger als Perfektion

Die Eignungsprüfung für den Bachelorstudiengang Tanz am ZZT ist sehr umfangreich und umfasst Unterricht (unter Beobachtung) in klassischer und zeitgenössischer Tanztechnik, choreografisches Arbeiten sowie Einzelgespräche. Kriterien sind Tanzerfahrung, gute Grundkenntnisse in klassischer und zeitgenössischer Tanztechnik, intellektuelle Reife, eine reflektierte Körperlichkeit und die klare Bereitschaft zur Auseinandersetzung mit Tanz als Kunstform. Ähnlich sind auch die Voraussetzungen für ein Schauspielstudium. Statt Tanz sind hier mehrere Teile aus Theaterstücken zu präsentieren, meistens aus unterschiedlichen Epochen.

Grundsätzlich gilt: Für einen der begehrten künstlerischen Studienplätze muss das berühmte Gesamtpaket stimmen: „Es geht bei uns nicht um das perfekte Kopieren von Tanzschritten und Choreographien, sondern um die Reflexion von Bewegung und Tanz sowie die Fähigkeit, Eigenes zu erschaffen“, so Professorin Vera Sander. Erst Interpretationsfähigkeit und Kreativität machen das Potenzial zum/zur Künstler/-in aus.

Darüber hinaus spielen auch Soft Skills für Künstler/-innen eine große Rolle, immerhin muss man sich in Musik, Schauspiel wie auch Tanz auf die Kollegen/-innen ein- und verlassen können. „Wer sozialkompetent und künstlerisch begabt ist und außerdem für seine Kunst brennt, hat die besten Chancen auf einen Studienplatz“, ist sich Vera Sander sicher.

Arbeitsmarktchancen und Anforderungen

Erfolgswillen und Eigeninitiative

Von „brotloser Kunst“ ist häufig die Rede – und tatsächlich gestaltet sich der Arbeitsalltag von Künstlern/-innen oft recht schwierig. Doch wer Leidenschaft und Ausdauer mitbringt und die eigene Situation realistisch einschätzt, kann es schaffen.

Wer sich für die Kunst entscheidet, tut dies sehr bewusst, stellt Annedore Bröker, Beraterin für akademische Berufe bei der Arbeitsagentur Hamburg, immer wieder fest. „Die meisten Studieninteressierten haben klare Vorstellungen von ihrem künstlerischen Fach. Aussagen, dass jemand ‚irgendwas mit Kunst‘ studieren will, höre ich kaum“, sagt sie und fügt hinzu: „Für ein Künstlerleben muss man aber schon ein bestimmter Typ sein.“ Denn Künstler/-in zu sein, bedeutet in der Regel weniger Gehalt als etwa in einem Akademikerberuf in der Industrie, meist ein Leben in Selbstständigkeit – und ständigen Kampf um Aufträge oder ein neues Engagement.

Selbstständigkeit eröffnet auch Möglichkeiten

Einschätzungen, die auch Judith Wüllerich vom Team für Arbeitsmarktberichterstattung bei der Bundesagentur für Arbeit bestätigt. „Die Arbeitsmarktlage für männliche und weibliche Berufsmusiker, Tänzer und Schauspieler ist nicht unproblematisch. Zwar ist die Arbeitslosigkeit in den letzten Jahren zurückgegangen, aber auch die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung verzeichnete ein Minus.“ Gerade in Zeiten von sinkenden Etats an Theatern und Musikeinrichtungen spielt die Selbstständigkeit eine immer größere Rolle. So sind weit über die Hälfte der erwerbstätigen Musiker/-innen heute selbständig tätig. Von vornherein negativ ist das nicht. „Selbständigkeit eröffnet sehr viele Möglichkeiten – je nach Spezialisierung, Können, Mobilität und Selbstvermarktungspotenzial. Wer allerdings auf Sicherheit setzt, sollte eher ein Lehramtstudium in Musik oder Kunst wählen“, so Berufsberaterin Annedore Bröker.

Große Konkurrenz

Für Schauspieler/-innen und klassische Tänzer/-innen hingegen ist das Unterrichten selten eine Option, und entsprechend hoch ist hier der Konkurrenzdruck auf dem Arbeitsmarkt. Gerade im Bereich Film- und Fernsehschauspiel gibt es viele Absolventen/-innen von Privatschulen, die im staatlichen Theaterbetrieb nicht genommen werden. „Wer Schauspieler/-in oder Tänzer/-in werden will, braucht neben künstlerischem Talent Ausdauer und einen ausgeprägten Erfolgswillen“, konstatiert Judith Wüllerich. „Außerdem sind regionale Mobilität und viel Eigeninitiative notwendig. Denn nur wenige Stellen werden ausgeschrieben, vieles läuft über persönliche Kontakte.“

Studienreportage Tanz

„Eine gesunde Portion Biss“

Ballettstunden nehmen viele Mädchen, bei Linda Pilar Brodhag wurde das Hobby zur Herzenssache. Mittlerweile studiert die 24-Jährige Tanz an der Folkwang Universität der Künste in Essen. Eine harte Ausbildung, die viel Leidenschaft erfordert.

Zu sehen sind zwei Füße in Spitzenschuhen.

Foto: Sonja Trabandt

Mit sechs Jahren begann Linda Pilar Brodhag zu tanzen. Aus den ersten Ballettstunden wurde schnell ein zeitintensives Hobby – und später eine berufliche Perspektive. „Vor dem Abitur stellte sich mir die Frage, was ich studieren möchte. Ich habe mich für meine größte Leidenschaft entschieden“, erzählt die junge Frau lächelnd. Sie bewarb sich an mehreren Tanzhochschulen und wurde an Deutschlands wohl bekanntester auf Anhieb genommen. Schon Tanz-Visionärin Pina Bausch machte an der Folkwang Universität der Künste ihre ersten Schritte. „Die Folkwang hat eine besondere Atmosphäre. Der Unterricht ist hervorragend, die Studierenden kommen aus der ganzen Welt, und die Bewegungsphilosophie ist sehr offen für Neues“, fasst Linda Pilar Brodhag zusammen. So sind anders als bei vielen Hochschulen umfangreiche Vorkenntnisse im klassischen und zeitgenössischen Tanz kein Aufnahmekriterium, nicht wenige der Studierenden haben ihre künstlerischen Wurzeln in HipHop und Breakdance.

Zeitintensive Ausbildung als Herzenssache

Entscheidender als die Vorprägung sind in Essen Individualität im Ausdruck sowie Interesse und absolute Leidenschaft für das Tanzen. Die ist auch nötig, denn das Studium ist anstrengend und zeitintensiv. „Freizeit und Privatleben neben dem Studium sind knapp“, sagt Linda Pilar Brodhag. Ihr Alltag beginnt meistens um halb neun und endet oft erst in den Abendstunden. „Ich habe gerade viel an meinem Abschlussprojekt gearbeitet, und die Proben gingen häufig bis tief in die Nacht.“ Der Lehrplan der Tänzer/-innen setzt sich aus Theorie- und Praxis-Anteilen zusammen. Neben Vorlesungen über Anatomie, Tanzgeschichte, Musiktheorie oder auch ausgefallenere Themen wie „Bodentechnik und Partnering“ gibt es viel Unterricht in klassischem und zeitgenössischem Tanz. Zusätzlich haben die Studierenden die Möglichkeit, eigene Stücke zu entwickeln und zu choreographieren.

Linda Brodhag hat dunkles langes Haar, sie lächelt offen in die Kamera. Sie trägt eine rose-farbene Bluse.

Foto: Thomas Riese

Ihr eigenes Abschlussstück hat Linda Pilar Brodhag bereits auf die Bühne gebracht. In wenigen Wochen beginnt sie ihren Master of Arts, übrigens als einzige Deutsche im Jahrgang. „Ich bin sehr froh, dass ich mich für das Tanzen entschieden habe. Daran hängt einfach mein Herz, auch wenn damit viel Kampf verbunden ist“, sagt sie. Festanstellungen sind extrem selten, viele Projekte nur auf wenige Monate beschränkt, und die Bezahlung ist nicht gerade fürstlich. Nur wer flexibel und belastbar ist, hat eine Chance. Dementsprechend klar fallen auch ihre Empfehlungen an junge Tanzstudium-Interessierte aus: „Neben Präsenz auf der Bühne, Bewegungstalent und Musikalität braucht man Neugier, viel Durchhaltevermögen und eine gesunde Portion Biss. Ohne diese Eigenschaften ist ein Tanzstudium vielleicht nicht die richtige Wahl.“

Studienreportage Musik

Virtuos auf verschiedenen Bühnen

Eine Leidenschaft von Kindesbeinen an: Seit ihrem vierten Lebensjahr spielt Friederike Hoffmann Geige. Heute studiert die 25-Jährige in Rostock Musik – und ist noch hin- und her gerissen zwischen Lehre und Orchester.

Zu sehen sind Noten und ein Teil eines Blasinstrumentes/Klarinette.

Foto: Sonja Trabandt

Die Musik wurde Friederike Hoffmann quasi in die Wiege gelegt. Beide Eltern und viele ihrer Verwandten sind klassische Musiker/-innen, und so begann auch sie bereits mit vier Jahren Geige zu spielen. „Das Instrument hat mich nicht mehr losgelassen, und ich habe viel Zeit in meine Leidenschaft investiert“, erzählt sie. Das hat sich ausgezahlt: Mehrfach gewann die Musikerin bei „Jugend musiziert“ und wurde bereits mit 15 Jahren Jungstudentin an der Hochschule für Musik und Theater in Rostock. Neben der Schule besuchte sie also Hochschulkurse und bekam Unterricht bei renommierten Violin-Professoren.

Kaum verwunderlich, dass sie dort nach dem Abi auch zu studieren begann – und das gleich doppelt: „Ich habe ein künstlerisches und ein musikpädagogisches Diplom gemacht. Aber weil mich die Orchesterarbeit sehr interessiert und meine Noten gut genug waren, habe ich mich nun noch für ein Studium zum Master of Music mit Schwerpunkt Orchestermusik entschieden.“

Unterricht und Orchester sind reizvoll

Friederike Hoffmann hat langes blondes Haar, das sie zu einem Zopf gebunden hat. Sie trägt ein schwarzes Oberteil und spielt auf einer Geige.

Friederike Hoffmann

Foto: Privat

Ihr eigenes Interesse schwankt zwischen der Arbeit als Orchestermusikerin und dem Unterrichten von jungen Musikern/-innen. „Ich unterrichte bereits regelmäßig am Konservatorium Rostock. Im Masterstudium konzentriere ich mich auf die Orchestermusik“, sagt Friederike Hoffmann. Knapp vier Stunden täglich übt sie auf ihrem Instrument, hinzu kommen Seminare und Vorlesungen in Musikgeschichte, Orchesterstudien oder Konzentrationstechniken für Musiker/-innen. Außerdem spielt sie regelmäßig mit dem Hochschulorchester oder als Kammermusikerin Konzerte.

„Wer sowohl unterrichten kann als auch sein Instrument beherrscht, flexibel ist und sich vielleicht noch mehrere Standbeine schafft, hat relativ gute Berufsaussichten“, ist die Masterstudentin überzeugt. Anders als zum Beispiel Schauspieler/-innen und Tänzer/-innen können Musiker/-innen relativ sesshaft werden und haben in einem Orchester sogar die Chance auf Verbeamtung. Dafür braucht es aber viel Ausdauer, Fleiß und den Mut, den eigenen Traum konsequent weiterzuverfolgen.

Berufsreportage Schauspiel

Sich einlassen auf das System Theater

Seit seinem Abschluss an der Hochschule für Musik, Theater und Medien in Hannover gehört Jan Jaroszek (26) zum festen Ensemble des Staatstheaters Stuttgart. Schauspieler ist für ihn ein Traumberuf, wenn auch kein leichter.

Mit Hamlet hat es bei Jan Jaroszek in der Schule angefangen, dann kamen erste Gehversuche am Theater und schließlich das Schauspielstudium an der Hochschule für

Zu sehen sind ein Schauspieler und eine Schauspielerin auf der Bühne. Der Schauspieler gestikuliert wild.

Foto: Rehm/WillmyCC

Musik, Theater und Medien in Hannover. „Im Studium habe ich meinen darstellerischen Werkzeugkasten bekommen und konnte eine gewisse Vielseitigkeit aufbauen. Ich würde die Ausbildung sogar als unbedingt nötige Vorbereitung auf das Berufsleben bezeichnen“, sagt der 26-Jährige.

Nach dem Diplom überzeugte er beim Vorsprechen am Staatstheater Stuttgart und erhielt 2011 seinen ersten Vertrag als Jung-Schauspieler, befristet auf zwei Spielzeiten. Sein Berufsalltag ist dabei relativ durchgeplant: Gegen zehn Uhr morgens beginnen die vierstündigen Frühproben. Hier wird an einzelnen Szenen oder ganzen Sequenzen aus dem aktuellen Stück gearbeitet; abends stehen entweder weitere Proben oder Aufführungen an. „Den Text für seine Rolle lernt man dann in der Freizeit. Oft bin ich von Montag bis Sonntag im Theater. Aber wir haben ein großes Ensemble, da kommt es vor, dass man nicht so viele Stücke parallel spielt“, sagt Jan Jaroszek. Auch wenn die Freizeit für ihn sehr überschaubar ist und die Bezahlung nicht gerade üppig, könnte sich der gebürtige Schwabe kaum einen schöneren Beruf vorstellen.

Proben, austoben, weiterziehen

Jan Jaroszek hat kurzes dunkles Haar. Er starrt in die Kamera.

Jan Jaroszek

Foto: Privat

„Für die Freude am Beruf muss man sich auf das System Theater einlassen“, erklärt er. Schauspieler zu sein, heißt einerseits, kreativ an der Rolle zu arbeiten und sich kindlich auszutoben, bedeutet jedoch andererseits, sich in der künstlerischen Hierarchie klar unter den Dramaturgen und Regisseuren einzufügen. Diese besetzen die Rollen nach ihren Vorstellungen, sodass gerade Berufseinsteiger auch mal undankbare Parts übernehmen müssen.

Hinzu kommt eine hohe Unsicherheit, denn die meisten Engagements sind zeitlich begrenzt. „Man muss flexibel bleiben und kann sich nicht aussuchen, wo es als nächstes hingeht“, sagt Jan Jaroszek, dessen Vertrag nach dieser Spielzeit ausläuft. Da ein neuer Intendant nach Stuttgart kommt, der viele seiner Leute mitbringt, muss der Schauspieler weiterziehen: „Das Kofferpacken und die ständige Suche nach einem neuen Engagement gehören sicherlich nicht zu den schönsten Seiten des Berufs“, meint er – und zögert mit einer Empfehlung an angehende Schauspieler. „Eigentlich gibt es schon zu viel Nachwuchs, darum würde ich nur Leuten zum Studium raten, die wirklich für die Bühne brennen.“

Weitere Informationen

Studienwahl.de
Mit dem FINDER können Sie sich auch eine Vielzahl von künstlerischen Studiengängen anzeigen lassen.
www.studienwahl.de/de/studieren/finder.htm

Informationen zum Studienfeld „Kunst“
www.studienwahl.de/de/studieren/studienfelder/sprach-und-kulturwissenschaften-kunst-und-gestaltu/kunst-bildende0200.htm

Studienfeld „Musik, darstellende Kunst“
www.studienwahl.de/de/studieren/studienfelder/sprach-und-kulturwissenschaften-kunst-und-gestaltu/musik-darstellende-kunst0203.htm


Informationen über Kunst- und Musikhochschulen

www.studienwahl.de/de/studieren/hochschulinfos/hochschularten/kunst-musikhochschulen/kunst-musikhochschulen0248.htm

Weitere Links:

BERUFENET
Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.500 ausführlichen Berufsbeschreibungen in Text und Bild:
http://berufenet.arbeitsagentur.de

abi>> dein weg in studium und beruf
Informationen über Studiengänge, Ausbildungen und Berufe, zugeschnitten auf Abiturienten/-innen:
www.abi.de

ZAV-Künstlervermittlung
Diese Serviceeinrichtung der Bundesagentur für Arbeit vermittelt darstellende Künstler/-innen sowie Bewerber/-innen aus künstlerisch-technischen Berufen rund um Bühne und Kamera. Agenturen gibt es in Berlin, Hamburg, Hannover, Köln, Leipzig, München und Stuttgart.
http://zav.arbeitsagentur.de/kv/Home/Homepage.html__nnn=true

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