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Ein Kompass liegt auf der Wiese

Offizieller Studienführer für Deutschland

Zu sehen ist ein Bücherregal aus dem eine Hand ein Buch mit der Aufschrift "Marketing Research" herausnimmt.
Das Englische spielt insgesamt eine immer größere Rolle, weil die Hochschulen sich stärker international ausrichten. Foto: Axel Jusseit

Ungewöhnliche Studiengangsnamen – was verbirgt sich dahinter?

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Bei englischen Bezeichnungen wie „International Business Management“ oder „Media and Design“ erscheint der Studieninhalt eindeutig. Doch so manche/-r Studienanwärter/-in fragt sich vermutlich beim Sichten akademischer Angebote, was denn wohl gemeint sein könnte mit „Pro Water“, „Design and Development in Automotive and Mechanical Engineering“ oder „Midwifery“. Oft sorgt erst ein (Zu-)Griff zum Wörterbuch oder auf einen Online-Übersetzer für Durchblick.

Wie kommt es überhaupt zu solchen Studiengangsnamen?

Grundsätzlich gilt: Wie Hochschulen ihre angebotenen Studiengänge benennen, das können sie prinzipiell in Eigenverantwortung entscheiden. Jedoch bestehen zum Teil Auflagen für die Namensgebung, und zwar von Seiten der Akkreditierungsagenturen. Diese Agenturen sind vom Akkreditierungsrat der Stiftung zur Akkreditierung von Studiengängen in Deutschland zertifiziert und dürfen dessen Siegel vergeben. Dieses soll einheitliche Qualitätsstandards für Bachelor- und Masterstudiengänge garantieren. Und um diese Akkreditierung zu erhalten, muss beispielsweise ein Studiengang mit englischem Namen zumindest auch Veranstaltungen in englischer Sprache anbieten.

Zwischen Internationalität und Marketing

Das Englische spielt insgesamt eine immer größere Rolle, weil die Hochschulen sich stärker international ausrichten. Andreas Neuner, Berater für akademische Berufe der Agentur für Arbeit in München, weiß: „Die englischsprachigen Bezeichnungen sind ein Spiegel der Globalisierung und zeigen, dass deutsche Hochschulen verstärkt um ausländische Studierende werben.“ Eine Einschätzung, die Professor Arist von Schlippe, Verantwortlicher für den Masterstudiengang „Family Business Management“ in Witten/Herdecke, bestätigt: „Wir haben das Ziel, mit unserem Studiengang auch internationale Studierende anzuwerben. Daher ist auch geplant, ihn langfristig zu etwa 50 bis 60 Prozent auf Englisch durchzuführen.“

Diese internationale Ausrichtung ist in einigen Fachgebieten ausgeprägter als in anderen – und manchmal Teil des Fachgegenstands: Die englischsprachigen Studiengangsbezeichnungen finden sich daher häufig in den Sprachwissenschaften, sind hier allerdings meist gut verständlich, wie etwa im Fall von „American Studies“ oder „African Languages in Context“. Ein wenig kniffliger wird es häufig in den – ebenfalls oft stark international ausgerichteten – Bereichen Wirtschaft und Technik sowie in den Naturwissenschaften. Beispiele sind die Bachelorstudiengänge „Embedded Systems Engineering“ an der Universität Freiburg oder „Facility Management“ an der TU Kaiserslautern. Hier beeinflussten oft auch marketingtechnische Aspekte die Wahl der Studiengangsnamen, erläutert Ralf Danzeglocke, Hochschulexperte der Regionaldirektion NRW der Bundesagentur für Arbeit: „Bezeichnungen mit -management oder -technology klingen moderner und näher am Arbeitsmarkt. ‚International Business‘ und ‚Eventmanagement‘ transportieren Images. Und das spielt für die Profilierung der Hochschulen in der Konkurrenz um Studierende durchaus eine Rolle.“

Drin steckt, was draufsteht

Ein weiterer Punkt ist die stärkere Ausdifferenzierung der Studienprogramme: Es entstehen neue, sehr spezifische Studiengänge, die sich mit einem bestimmten Schwerpunkt innerhalb eines Fachs beschäftigen. Daher wählen die Verantwortlichen auch einen Namen, der genau diesen Schwerpunkt beschreibt, was für die Studienorientierung von Vorteil sein kann. Beispiele sind etwa die Bachelorstudiengänge „Real Estate“ an der privaten EBZ in Bochum, „Global Management“ an der Hochschule Bremen oder „Banking and Finance“ an der FH Köln, die allesamt der Betriebswirtschaftslehre zuzuordnen sind. Auch bereits vor Bachelor und Master setzten die Hochschulen – etwa innerhalb der BWL – derartige Schwerpunkte, und die Studieninhalte unterschieden sich oft stark. Dennoch hießen die Studiengänge nicht selten an allen Hochschulen gleich. Mit der offenen Schwerpunktbildung und individuelleren Benennung können Studieninteressierte heute also zum Teil sogar mehr über die Studieninhalte erfahren und sich gezielter entsprechend ihren Neigungen entscheiden.

Bücher

Foto: Elizaveta Shlosberg

Nicht selten haben sich aber auch für die jeweiligen Schwerpunkte oder Fachgebiete international spezielle englische Begrifflichkeiten durchgesetzt, so etwa bei den „“ (digitale Geisteswissenschaften) an der Universität Würzburg. Gerade in Bezug auf Masterstudiengänge sieht Berufsberater Andreas Neuner daher auch kaum Probleme, was die Verständlichkeit entsprechender Bezeichnungen angeht: „Die Studierenden, die sich für die Masterprogramme bewerben, sind so gut mit der Terminologie vertraut, dass sie mit den Inhalten der englischsprachigen Verpackung durchaus etwas anfangen können.“

Tipp: Beratungsangebote nutzen

Für Studienanfänger/-innen hingegen ist die Lage zum Teil eine andere, wie Hochschulexperte Ralf Danzeglocke einräumt: „Bei der Vielzahl an neuen Studiengängen kann schon Verwirrung entstehen. Jugendliche sollten das Beratungsangebot der Agenturen für Arbeit zu nutzen – hier gibt es spezielle Teams für akademische Berufe, die individuell weiterhelfen können.“ Erste Ansprechpartner bei Detail-Fragen zu den Inhalten bestimmter Studienangebote sind darüber hinaus die Fachstudienberater/-innen an den Hochschulen. Um sich schon im Vorfeld einen Eindruck von Studieninhalten zu verschaffen, verweist Ralf Danzeglocke auf die Internetangebote der Bundesagentur für Arbeit und der Bundesländer, vor allem www.studienwahl.de und www.abi.de sowie auf die „abi>> Infomappen Studienberufe“ in den Berufsinformationszentren (BiZ) der örtlichen Agenturen für Arbeit. Nicht zuletzt hilft natürlich ‚das grüne Buch‘ Studien- & Berufswahl bei der Einordnung von fremdklingenden Studiennamen durch die Sortierung in übersichtliche Studienfelder.

Digital Humanities

Verknüpfung von Informatik und Geisteswissenschaft

Michael Huber (24) absolviert an der Universität Würzburg den Bachelorstudiengang „Digital Humanities“. Schwerpunkt des Studiums ist die Computerphilologie, also die Bearbeitung literaturwissenschaftlicher Fragestellungen mit Hilfe des Rechners.

Michael Huber hat kurzes blondes Haar und trägt ein schwarzes T-Shirt. Er lächelt in die Kamera.

Foto: Privat

Begonnen hatte Michael Huber eigentlich mit einem Lehramtsstudium der Fächer Deutsch und Geschichte in München. „Ich habe damals ein Seminar zur Computerphilologie belegt und war so begeistert davon, dass ich meine beruflichen Pläne schnell umgestellt habe“, sagt der Student, der sich daraufhin in den Bachelorstudiengang Digital Humanities an der Ludwig-Maximilians-Universität Würzburg einschrieb.

„Ich studiere einen Zweifächer-Bachelor, mein Zweitfach ist Germanistik, das lässt sich gut verbinden. Ich bin jetzt im sechsten und letzten Semester“, sagt Michael Huber, der im Studium die Methoden erlernt, mit denen man geisteswissenschaftliche Texte, Bilder oder Karten digital erfasst und verarbeitet. „Ich weiß, dass mein Studium einen für Deutschland recht exotischen Namen hat. Das merke ich immer dann, wenn Leute mich nach meinem Studium fragen und dann mit den Schultern zucken“, berichtet der 24-Jährige, „man muss es dann eben einfach übersetzen. Digital Humanities heißt digitale Geisteswissenschaften. Und das passt. Im Grunde beschreibt das Fach die Anwendung von Informatik in den Geisteswissenschaften.“

International verständlich

Dass für seinen Studiengang ein englischer Name gewählt wurde, empfindet Michael Huber als sinnvoll. „In der Wissenschaft wird der Begriff international verwendet. Man hat sich auf die Bezeichnung Digital Humanities geeinigt, und die Forschung ist weltweit vernetzt. Daher ist Englisch auch meist die Publikationssprache im Studium. Das sollte man also schon beherrschen“, so der Student, der immer noch fasziniert ist von den Inhalten seines „Schnittstellen-Studiums“.

Die Studierenden lernen auf der einen Seite die Grundlagen der Informatik, der Textkodierung und der digitalen Gestaltung kennen. Auf der anderen Seite besuchen sie Seminare in geisteswissenschaftlichen Fächern wie Germanistik, Geschichte, Museologie, Geographie oder Political and Social Studies. „Wir digitalisieren dann beispielsweise historische Karten oder literarische Editionen und Korpora“, sagt Michael Huber. An den Bachelor möchte er einen Master anschließen und danach kann er sich sowohl eine Tätigkeit in der Wissenschaft als auch im Verlagswesen vorstellen.

Family Business Management

Von wegen Studium für Hausfrauen!

Wie man ein Familienunternehmen professionell führt, erlernt Niklas Haver (25) im Masterstudiengang „Family Business Management“ an der privaten Universität Witten/Herdecke. In seinem Studium schätzt er den engen Praxisbezug und die kleinen Lerngruppen.

Niklas Haver hat kurzes Haar. Er trägt einen schwarzen Anzug und eine blaue Krawatte.

Foto: Privat

Niklas Haver hat einen Bachelor in Wirtschaftswissenschaften an der Universität zu Köln abgeschlossen. Anschließend suchte er nach einem passenden konsekutiven Masterstudiengang. „Ich bin im Internet auf Family Business Management gestoßen. Ganz ehrlich, ich habe erst gedacht, es handelt sich um ein Studium für Hausfrauen. Zum Glück habe ich mich weiter informiert“, sagt der Student im dritten Semester. „Im Grunde ist es genau das, wonach ich gesucht hatte. Mein Vater führt ein Familienunternehmen in der Metallindustrie, das ich später übernehmen soll. Im Studium werden wir genau darauf vorbereitet.“ Auf den zweiten Blick hat er so auch die englische Bezeichnung verstanden: „It is Family Business.“

Die Voraussetzungen für den – mit Gebühren von etwa 23.000 Euro verbundenen – Master sind ein abgeschlossenes Bachelorstudium in einem beliebigen Fach, ein kurzer Test und drei Auswahlgespräche mit Dozenten des Studiengangs, der besonders auf den fachlichen Austausch der Studierenden untereinander setzt. „Wir diskutieren viel in kleinen Lerngruppen mit maximal 20 Teilnehmern/-innen. Die meisten sollen ein Familienunternehmen übernehmen. Wir kennen uns gut, geben uns gegenseitig Tipps für die Praxis. Auch die Dozenten/-innen gehen sehr individuell auf uns ein“, sagt Niklas Haver. In den vier Semestern erlernt er Wissen aus Fächern wie Familienmanagement, Strategie, Finanzierung, Steuerung, Krisenbewältigung oder Vermögensmanagement.

Eine besondere Herausforderung

Wirtschaft, Recht, Soziologie und Psychologie werden inhaltlich gleichermaßen verteilt. „Das ist auch richtig. Unser Studium ist schon etwas Besonderes und Spezielles. Ein Familienunternehmen muss den Spagat zwischen Familie und Geschäft bewältigen. Da müssen ganz besondere Aufgaben und Konflikte gelöst werden“, sagt der 25-Jährige, „für uns gibt es zum Beispiel den wichtigen Aspekt, Eheverträge oder Testamente sensibel zu erstellen.“ Ideell sowie finanziell kann er ganz auf die Unterstützung seiner Eltern zählen.

Die Lehrveranstaltungen im Studium Family Business Management finden größtenteils auf Deutsch statt. „Aber wir haben auch oft externe Dozenten/-innen aus dem Ausland, die auf Englisch referieren. Und auch viele Fachbücher sind auf Englisch, die Sprache sollte man also schon sehr gut beherrschen“, sagt Niklas Haver, der nach seinem Masterabschluss zunächst bei einer Tochterfirma des mittelständischen Familienunternehmens Haver & Boecker im Ausland arbeiten wird.

Cruise Tourism Management

Die Kreuzfahrt als Arbeitsalltag

Janet Wintjen (23) wird in ihrem Bachelorstudiengang „Cruise Tourism Management“ an der Hochschule Bremerhaven so ausgebildet, dass sie später eine führende Position in der Tourismusbranche, insbesondere im Bereich des Kreuzfahrtwesens, einnehmen kann.

Janet Wintjen hat rötliches Haar. Sie trägt ein blaues Hemd und lächelt offen in die Kamera.

Foto: Privat

Bei ihrer Studiengangswahl waren Janet Wintjen drei Dinge besonders wichtig: „Ich habe mich für die Schifffahrt-Branche interessiert, wollte einen Studiengang belegen, in dem auf Englisch unterrichtet wird und in dem ich ein Semester im Ausland verbringen kann.“ So stieß sie bei Online-Recherchen auf den Bachelorstudiengang International Cruise Industry Management, der heute Cruise Tourism Management heißt. „Ich konnte zuerst mit dem Namen nichts anfangen und muss heute noch immer allen erklären, was ich da mache. Aber die englische Bezeichnung macht schon Sinn, denn 70 Prozent der Lehre findet auf Englisch statt. Die Kreuzfahrtbranche ist international.“

In acht Semestern werden die Studierenden in allen kaufmännischen, planerischen und koordinierenden Aufgaben der Tourismus- und Kreuzfahrtbranche geschult. Bei der Studiengangsbewerbung musste Janet Wintjen, die jetzt im siebten Semester ist, einen zertifizierten Nachweis erbringen, dass sie Englisch einwandfrei beherrscht. „Und es gibt einen NC, maximal 40 Studierende können pro Semester aufgenommen werden“, weiß sie.

Tourismusstudium in Kalifornien

„Kleine Lerngruppen sind absolut sinnvoll. Unser Studiengang ist sehr praktisch ausgerichtet, wir besuchen Reedereien und Kreuzfahrtschiffe und beteiligen uns an Projekten externer Firmen“, sagt die 23-Jährige, die sich ihren Lebensunterhalt über einen Nebenjob in der Hotelbranche finanziert. „Ein Auslandssemester ist Bestandteil des Studiums. Ich war an einer Universität in Kalifornien und habe dort Tourismusfächer belegt.“ Eine tolle Erfahrung, findet sie.

„Im Wirtschaftsbereich erhalten wir eine wirklich fundierte Ausbildung. Auch über das Studium hinaus habe ich viel erfahren. Zum Beispiel verstehe ich jetzt erst die vielen Funktionen im Finanzsektor“, sagt Janet Wintjen. Neben betriebswirtschaftlichen Inhalten bietet das Studium auch Einblicke in Schiffbau, Logistik und Nautik. Recht, Umweltschutz und Sicherheit sind fester Bestandteil des Curriculums. „Da stehen einem nach dem Studium viele Türen offen. Ich kann mir vorstellen, noch einen Master anzuhängen oder auch gleich zu arbeiten. Zum Beispiel im Städtetourismus in der Verantwortung für das Kreuzfahrtstandortmarketing.“ Absolventen/-innen des Studienganges finden aber auch Beschäftigungsmöglichkeiten im Produktmanagement, im Vertrieb oder im Personalwesen – etwa von Reedereien, Reiseveranstaltern, Tourismusverbänden oder Hotelgesellschaften.

Weitere Informationen

FINDER
studienwahl.de verfügt über eine eigene Studiengangssuchmaschine, den FINDER,
mit dessen Hilfe Sie dank Schlagwortsuche auch Studiengänge mit exotischeren Bezeichnungen finden.
www.studienwahl.de/de/studieren/finder.htm

abi>> dein weg in studium und beruf
Informationen über Studiengänge, Ausbildungen und Berufe,
zugeschnitten auf Abiturienten/-innen
www.abi.de

BERUFENET
Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.500 ausführlichen Berufsbeschreibungen in Text und Bild
www.berufenet.arbeitsagentur.de

Hochschulkompass
Datenbank der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) zu Studienmöglichkeiten in Deutschland
www.hochschulkompass.de

Hochschulrektorenkonferenz (HRK)
www.hrk.de

Stiftung zur Akkreditierung von Studiengängen in Deutschland
www.akkreditierungsrat.de

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