Logo Stiftung für Hochschulzulassung Logo Bundesagentur für Arbeit
Logo studienwahl.de
Ein Kompass liegt auf der Wiese

Offizieller Studienführer für Deutschland

Zu sehen sind eine junge Frau und ein junger Mann, die an einem Schreibtisch sitzen und in einem Ordner blättern.
Für angehende Akademiker/-innen gibt es viele Anlaufstellen, die weiterhelfen. Foto: Thomas Lohnes

Studieren? Ich? Gute Idee!

Drucken Versenden

Sein Vater ist Schlosser, seine Mutter Altenpflegerin, er selbst ist Sozialwissenschaftler und arbeitet am Leibniz-Institut für Bildungsverläufe in Bamberg. Franz Gerbig stammt aus dem Vogtland, studiert hat der 31-Jährige an der Universität Mannheim. Zwei Welten, dazwischen 400 Kilometer. „Meinen Eltern ist bis heute nicht ganz klar, was ich mache. Sie konnten mit Sozialwissenschaften wenig anfangen, fanden es aber gut, dass ich studiere. Ich war der erste in der Familie, der sich für ein Studium entschieden hat“, erzählt er.

Tipps konnten seine Eltern ihm keine geben, haben ihm bei der Studienwahl aber auch nicht reingeredet. „Gerade am Anfang habe ich meine Studienentscheidung oft in Frage gestellt. Selbst bei einer Eins vor dem Komma habe ich beim Dozenten nachgefragt, was ich noch verbessern könnte.“ Doch mit jedem Semester wurde er sicherer, traute sich auch Neues zu: „Ich habe Mitstudierende aus Kolumbien kennengelernt und mir Spanisch angeeignet. Später habe ich dann auch das Land bereist.“

Finanziert hat Franz Gerbig sein Studium über BAföG, Nebenjobs und Kindergeld. Rückblickend hat sich die Zeit an der Hochschule allemal gelohnt, auch wenn der Berufseinstieg im Anschluss nicht geradlinig verlief. Er arbeitete zunächst bei einem Social Media Marketing-Unternehmen und als Nachhilfelehrer, bevor er schließlich eine Stelle fand, die perfekt zu seinem Profil passte. Sein Fazit: „Ich musste mich im Studium immer wieder auf neue Situationen einstellen. Dabei habe ich weit mehr als nur Fachwissen mitgenommen. Diese Flexibilität hilft mir heute sowohl im Beruf als auch im Privatleben.“

Ein Studium ist nicht selbstverständlich

Franz Gerbig hat als Erstakademiker eine erfolgreiche Laufbahn hingelegt. Doch ein Studium ist unter Nichtakademiker-Kindern nach wie vor alles andere als selbstverständlich: Zwar hat laut Angaben des Statistischen Bundesamtes die Zahl der Studienanfänger/-innen mit rund 507.000 im Wintersemester 2013/14 nach dem Rekordjahr 2011 einen erneuten Höchststand erreicht (eine Übersicht zu den vorläufigen Zahlen der Studienanfänger/-innen für das Wintersemester 2013/14 gibt es beim Statistischen Bundesamt), allerdings bleibt der Anteil derjenigen, die aus einem nicht-akademischen Elternhaus kommen, seit Jahren auf einem niedrigem Niveau.

Franz Gerbig hat blondes Haar, trägt eine schwarze Brille und ein dunkelblaues Hemd.

Foto: Privat

Gemäß der 20. Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerkes (PDF-Download, siehe Seite 111) studieren von 100 Kindern von Akademiker(inne)n 77, von 100 Kindern aus Familien ohne akademischen Hintergrund nur 23. Ein Fachhochschul- oder Universitätsstudium der Eltern erhöht demnach die Wahrscheinlichkeit, dass ein/e Schüler/-in später einmal ein Studium aufnimmt deutlich.

Ähnliche Zahlen liefert die elfte Ausgabe des Studierendensurveys (herausgegeben vom Bundesministerium für Bildung und Forschung, PDF-Download): So gaben rund 60 Prozent der Ende 2010 befragten Universitätsstudierenden an, aus einer Akademiker-Familie zu kommen. Dieser Trend wird in Fachkreisen auch als „akademische Reproduktion“ bezeichnet und ist vor allem in der Medizin, Jura und in den letzten Jahren auch vermehrt in den Ingenieurwissenschaften zu beobachten.

„In Akademikerfamilien ist ein Studium meist etwas ganz Normales. Bei Erstakademiker(inne)n ist das hingegen unterschiedlich: Manche Eltern sagen, mein Kind hat Abitur, also soll es auch studieren. Für andere bedeutet ein Studium vor allem Unsicherheit“, weiß Stefanie Brunner, Diplompsychologin und wissenschaftliche Mitarbeiterin am Arbeitsbereich Weiterbildung und Bildungsmanagement der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg. „Typische Fragen wie: ‚Kann ich das überhaupt?‘ oder: ‚Wie lässt sich ein Studium finanzieren?‘ kann in der Familie meist keiner beantworten. Dann bleibt ein Traumberuf ein Traum – realisiert wird, was man kennt. Um diesen Kreis zu durchbrechen, braucht es Unterstützung“, erklärt die Psychologin.

Studieren lohnt sich!

„Offen für neue Wege“ lautet ein Slogan der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg. Stefanie Brunner gefällt dieser Spruch gut, weil er die allgemeinen Vorteile eines Studiums auf den Punkt bringt: „Eine Universität bietet viele Freiräume, sich auszuprobieren. Man kann Praktika absolvieren, fachliche Schwerpunkte setzen, sich im Master spezialisieren, ins Ausland gehen, wissenschaftlich Arbeiten oder auch Sprachen lernen.“

Neben diesen persönlichen und fachlichen Entwicklungsmöglichkeiten weisen Akademiker/-innen zudem eine niedrige Arbeitslosenquote auf. „Natürlich gibt es je nach Studiengang gewisse Unterschiede, aber die Arbeitslosenquote bewegt sich insgesamt auf einem sehr niedrigen Niveau von unter drei Prozent. Sowohl der Trend zu höher qualifizierter Beschäftigung als auch die demografische Entwicklung bringen nach wie vor einen steigenden Bedarf an Akademiker(inne)n mit sich“, so die Einschätzung von Arbeitsmarktexpertin Judith Wüllerich. Die Arbeitslosenquote bei Akademiker(inne)n lag 2012 bei 2,5 Prozent, bei Menschen mit beruflicher Ausbildung (Lehre/Fachschule) bei fünf Prozent.

Anlaufstellen für Erstakademiker/-innen

Die Carl von Ossietzky Universität Oldenburg hat das Projekt „Erstakademiker/-innen“ ins Leben gerufen, um den Übergang von der Schule an die Hochschule zu erleichtern. „Das betrifft nicht nur Abiturient(inn)en, sondern auch Berufstätige, die ein fachbezogenes Studium aufnehmen wollen“, beschreibt Stefanie Brunner. Belegt werden können Vorbereitungskurse im Bereich Mathematik (siehe auch ), Tagesseminare zum wissenschaftlichen Arbeiten und zur Lernorganisation.

Bundesweite Initiativen wie Arbeiterkind.de versuchen, Schüler/-innen bereits vor dem Abitur zu erreichen. Gleich auf der Startseite von www.arbeiterkind.de fällt die Telefonnummer der Infoline ins Auge. „Wer darüber nachdenkt, ob Ausbildung oder Studium das Richtige ist, welche Anforderungen ein Studium mit sich bringt und wie es sich finanzieren lässt, kann einfach anrufen“, sagt Carolin Mieckley, Redakteurin bei Arbeiterkind.de. Das Portal bietet zudem viele nützliche Tipps, Termine und Erfahrungsberichte (siehe auch ).

Zu sehen ist ein Antragsformular für ein Stipendium.

Ein Stipendium ist eine Möglichkeit, um das Studium zu finanzieren.

Foto: WillmyCC Studios

Und bei der Bildungsinitiative Studienkompass ( www.studienkompass.de) können Schüler/-innen Workshops und Trainings an der Hochschule besuchen und sich mit Stärken und Schwächen, passenden Studiengängen und ihrem Berufswunsch auseinandersetzen. Im Jahr 2013 profitierten mehr als 1.600 Schüler/-innen von dieser Förderung. Im Vergleich zu Arbeiterkind.de muss man sich bei Studienkompass allerdings im Vorfeld bewerben.

Die private, staatlich anerkannte Zeppelin Universität in Friedrichshafen bietet überdies so genannte Diversitätsstipendien beziehungsweise "Stipendien fürs Anderssein" an (siehe auch ). Die genannten Stipendien richten sich an Menschen mit ungewöhnlichen Bildungsbiografien. „Die meisten Stipendien sind für junge Menschen mit geradlinigen Lebensläufen, mit Hochbegabung und herausragenden Schulnoten. Aber neben diesen Dimensionen der ‚Exzellenz‘ (Anmerkung der Redaktion: so der moderne Fachbegriff für Spitzenleistungen) gibt es noch viele weitere – zum Beispiel die des Scheiterns und der anschließenden Neuausrichtung oder die des Umgangs mit einer Schwäche. Es geht um eine Aufwertung dessen, was fast immer als Grund für Abwertung gilt. Zugleich wollen wir unsere schon jetzt vielfältige Studierendenschaft noch bunter machen“, erklärt Tim Göbel, Vizepräsident der Zeppelin Universität.

Interview Arbeiterkind.de

„Jeder bekommt die Beratung, die er/sie möchte“

Junge Menschen, die als erste in ihrer Familie studieren oder ein Studium anstreben, fühlen sich oft unsicher. Mit der Initiative Arbeiterkind.de hat die Geschäftsführerin Katja Urbatsch ein Netzwerk geschaffen, das einfach, unkompliziert und zeitnah Fragen beantwortet.

Katja Urbatsch hat schulterlange dunkelbraune Haare und trägt ein blaues Oberteil.

Foto: Privat

Studienwahl.de: Wie erfahren Schüler/-innen, Studierende und Eltern von Arbeiterkind.de und wie können sie Ihr Netzwerk erreichen?

Katja Urbatsch: Unsere rund 5.000 ehrenamtlichen Mitarbeiter/-innen gehen an Schulen und zeigen auf, warum sich ein Studium lohnt, was ein Studium kostet und wie es sich finanzieren lässt. Außerdem hat Arbeiterkind.de bundesweit 70 lokale Gruppen, die Stammtische und Sprechstunden organisieren. Auf unserem Internetportal www.arbeiterkind.de kann man nach Ansprechpartner(inne)n in der Nähe suchen. Darüber hinaus haben wir eine telefonische Infoline eingerichtet. Gerade Eltern nehmen lieber den Hörer in die Hand, als dass sie per E-Mail Fragen stellen.

Studienwahl.de: Kann bei Ihnen jeder anrufen?

Katja Urbatsch: Ja. Bei uns gibt es kein festes Programm oder Bewerbungsprozedere, das man durchlaufen muss. Jeder bekommt die Beratung, die er/sie möchte. Manchen reicht schon ein Gespräch, andere möchten gerne über einen längeren Zeitraum einen Mentor oder eine Mentorin an ihrer Seite haben. Auch das ist möglich.

Studienwahl.de: Im Juli 2013 verzeichnete Arbeiterkind.de laut eigenen Angaben 1.100 Telefonanrufe pro Jahr. Hinzu kommen zahlreiche E-Mail-Anfragen. Warum melden sich überhaupt so viele Studieninteressierte bei Ihrer Initiative?

Katja Urbatsch: Weil sie Fragen haben, die ihnen in ihrer Familie niemand beantworten kann. Dabei geht es häufig um die Einschätzung der eigenen Leistung. Selbst bei sehr guten Noten sind manche Schülerinnen und Schüler verunsichert, ob sie ein Studium schaffen können. Es ist leichter, wenn jemand da ist, der sagen kann: „Schau‘ mal, ich habe das auch geschafft, trau‘ dich.“

Studienwahl.de: Welche Fragen werden an Sie herangetragen und wie helfen Sie?

Katja Urbatsch: Die größte Hürde ist die Studienfinanzierung: Selbst wenn Aussicht auf BAföG besteht, sehen viele darin nur einen Berg Schulden und nicht die Investition in die eigene Zukunft. Wenn man eine Berufsausbildung macht, hat man in der Regel ein eigenes Gehalt und kann ein Auto oder die Miete finanzieren. Wenn man dagegen studiert, macht man Schulden – so lautet jedenfalls die gängige Meinung vieler Eltern. Dass unter Akademiker(inne)n eine niedrige Arbeitslosigkeit herrscht und das BAföG erst dann zur Hälfte und selbst dann nur bis zum derzeit gültigen Maximalbetrag von 10.000 Euro zurückgezahlt werden muss, wenn man Geld verdient, sehen viele nicht. Dabei ist die Zuversicht und die Motivation der Eltern ein wichtiger Faktor, um an sich selbst zu glauben und ein Studium in Angriff zu nehmen. Hier leisten wir viel Überzeugungsarbeit und erklären, wie zum Beispiel eine Mischfinanzierung aussehen kann. Neben BAföG gibt es ja auch noch Stipendien, die viele oftmals gar nicht auf dem Schirm haben. Stipendien sind aber nicht nur etwas für Einserkandidaten.

Reportage: Das richtige Studium finden

Musik und Physik im Mix

Dennis Göckel (19) ist der erste in seiner Familie, der studiert. Umso wichtiger war für ihn die Orientierungsphase: Zwischen der Oberstufe und dem Beginn des Studiums hat sich Dennis Göckel als Lehrer ausprobiert, diverse Beratungsgespräche geführt, Hochschulen besucht, an Aufnahmeprüfungen teilgenommen und einen Vorbereitungskurs absolviert.

Inzwischen ist er an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg eingeschrieben und studiert den Zwei-Fächer-Bachelor Musik und Physik mit dem Berufsziel Lehramt. Derzeit befindet er sich im zweiten von sechs Semestern.

Musik war schon seine Leidenschaft: Nach dem Glockenspiel im Kindergarten kam die Blockflöte, später folgten Saxophon, Klarinette und Klavier. „Meine Eltern spielen keine Instrumente, haben meine Musikausbildung aber immer gefördert und mir neben dem Gymnasium sogar eine Ausbildung an einem Konservatorium ermöglicht“, erinnert sich Dennis Göckel. Aber Berufsmusiker? „Da wird aus Spaß Ernst. Zudem war mir das zu unsicher“, erzählt der junge Mann. „Ich habe auch meine Musikschullehrer nach ihren Einschätzungen gefragt und die sahen das ähnlich.“

Dass er auf jeden Fall studieren wollte, war ihm bereits vor dem Abitur klar. Seine Eltern haben jedoch keinen akademischen Abschluss – somit konnten sie ihm bei der Studienwahl nur wenige Ratschläge geben.

Der Weg führt zum Lehramtsstudium

Als Gymnasiast hatte er selbst an einer Musikschule Instrumentalunterricht gegeben. „Mit Schülerinnen und Schülern zu arbeiten, kann ich mir daher gut vorstellen. Am liebsten an einem Gymnasium.“ Für ein Lehramtsstudium brauchte er jedoch ein zweites Fach. „Physik ist mir schon immer leicht gefallen, auch wenn ich kein totaler Überflieger bin.“

Dennis Göckel hat kurze braune Haare und trägt ein kariertes Hemd.

Foto: Privat

Seinen Physiklehrer sprach er auf die Anforderungen des Studiums an: „Er hat mir erklärt, welcher Stoff im Grundstudium drankommt. Einiges hatten wir bereits im Leistungskurs durchgenommen, natürlich nicht so intensiv wie im Studium, aber ich bekam schon einmal eine Idee von den Inhalten. Das Gespräch mit meinem Physiklehrer hat mir bei meiner Entscheidungsfindung enorm geholfen.“

Er sucht auch das Gespräch mit den Referendar(inn)en an seiner Schule und befragte sie zur Lehrerausbildung. „Außerdem nahm ich an einem Tag der offenen Tür an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz teil. Dort besuchte ich Veranstaltungen in Musik und Physik“, berichtet Dennis Göckel.

Wahl der passenden Hochschule

Zu wissen, was er studieren will, war das eine. Nun fehlte noch die passende Universität, welche die Kombination Musik und Physik auf Lehramt anbietet. „Ich habe mich durch die Internetseiten der Universitäten gearbeitet und am Ende sind sechs übrig geblieben, unter anderem die Universitäten Mainz und Oldenburg.“

Das nächste Nadelöhr waren dann die Aufnahmeprüfungen in Musik: „Ich habe mich an einer Hochschule beraten lassen, mich intensiv auf die Prüfungen vorbereitet und bin dann quer durch Deutschland zu den Universitäten gereist.“ Von der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg erhielt er schließlich eine Zusage.

Heute, nach dem ersten Semester, hat er ein gutes Gefühl: „Die Carl von Ossietzky Universität Oldenburg ist nicht so riesig, die Atmosphäre fast persönlich – das ist ein großer Vorteil.“ Ein weiterer Bonus: Alle Studienanfänger/-innen, die MINT-Fächer studieren (also: Mathematik, Informatik Naturwissenschaften oder Technik), konnten vor Studienbeginn online einen Vorbereitungskurs zur Auffrischung der mathematischen Grundlagen belegen. „Da mein Elternhaus fast 500 Kilometer von Oldenburg entfernt liegt, war dieser Online-Kurs super für mich.“

Von seiner Studienwahl ist Dennis Göckel nach wie vor überzeugt. Sein Fazit als Erstakademiker: „Ich denke, es ist wichtig, vorher mit Menschen zu sprechen, die etwas Ähnliches studiert haben, sich die Universitäten und die Studieninhalte genau anzuschauen und sich auch probeweise – wie in meinem Fall als Lehrer – auszuprobieren.“

Reportage: Das Studium finanzieren

„Es lohnt sich, am Ball zu bleiben“

Ein Studium trotz fehlender finanzieller Mittel? Kübra Karatas (21) ist Erstakademikerin und studiert den achtsemestrigen Bachelorstudiengang „Communication & Cultural Management“ an der privaten Zeppelin Universität in Friedrichshafen. Ihre Studienfinanzierung stemmt sie mit Hilfe von zwei Stipendien.

Kübra Karatas beschäftigte sich schon lange mit der Frage nach der Finanzierung des Studiums. „Ich wollte unbedingt als erste in meiner Familie studieren und war mir eigentlich ziemlich sicher, dass ich BAföG erhalten würde. Dennoch hatte ich Angst vor Schulden – zumal es ja nicht sicher ist, dass man im Anschluss an das Studium gleich einen guten Beruf bekommt“, beschreibt sie ihre Situation kurz nach dem Abitur. Ihre Mutter hat den Wunsch nach einem Studium immer unterstützt: „Sie hätte es gerne gesehen, wenn ich ein Medizinstudium aufgenommen hätte.“ Ihre Großeltern hingegen waren von einem Studium nicht begeistert. Sie waren für eine berufliche Ausbildung, so wie es die ältere Schwester vor ihr gemacht hatte.

Erster Anlauf: Energietechnik

„Ich habe mich dann an der Technischen Universität Berlin für Energietechnik eingeschrieben, weil ich mir davon gute berufliche Perspektiven versprochen habe.“ Mathe und Physik waren ihre starken Fächer in der Schule gewesen. Aber ihre eigentliche Leidenschaft galt Kulturen und Kunst. „Zum damaligen Zeitpunkt hatte ich mich leider noch nicht getraut, ein Studium in diese Richtung einzuschlagen. Viel zu unsicher.“

Kübra Karatas hat lockiges dunkelbraunes Haar und trägt eine karierte hellblaue Bluse.

Foto: Privat

Ihren BAföG-Antrag stellte sie im Sommer 2012, der Bescheid kam rechtzeitig vor Studienbeginn. Da sie aus Berlin kommt, wohnte sie weiterhin bei ihren Eltern. „Als mir dann nach den ersten Wochen an der Universität klar wurde, dass das nicht mein Fach ist, war ich wie gelähmt. Ich hatte es bis an die Universität geschafft und jetzt das. Es fühlte sich an wie eine kleine Niederlage.“ Ihre Mutter hat sie zum Glück verstanden: „Das war ein wichtiger Rückhalt.“

Zweiter Anlauf: Communication & Cultural Management

Ein Freund, der an der privaten, staatlich anerkannten Zeppelin Universität studierte, erzählte ihr zufällig vom Bachelorstudiengang „Communication & Cultural Management“. In den ersten beiden Semester stehen Projektarbeit, Theoriegrundlagen in Wirtschaft, Medien, Kultur, Politik und Recht sowie das Erlernen wissenschaftlicher Methoden auf dem Programm. Im Anschluss daran startet der sechssemestrige fachspezifische Teil. „Das klang genau nachdem, was ich eigentlich schon immer machen wollte. Aber die Studiengebühren pro Semester betragen 3.700 Euro.“

Dann hörte Kübra Karatas von den so genannten Diversitätsstipendien, die direkt von der Zeppelin Universität angeboten werden: „Die Diversitätsstipendien richten sich an Leute, deren Bildungsbiografie nicht so geradlinig verläuft, etwa an Ausbildungs- oder Studienabbrecher oder an Studienstarter, deren Eltern nicht studiert haben.“ Sie bewarb sich nicht nur um einen Studienplatz, sondern gleich auch um eines der hochschuleigenen Stipendien, das die Studiengebühren abdeckt. Zu verlieren hatte sie nichts.

Nachdem sie online einen Fragenkatalog beantwortet hatte, wurde sie kurze Zeit später von der Hochschule eingeladen: „Es gab Auswahlgespräche und ich musste in einer Gruppe eine Fallstudie bearbeiten.“ Sie hatte Erfolg: Im Juni 2013 bekam sie die Zusage für das Stipendium, im September konnte sie mit dem Studium in Friedrichshafen beginnen.

Parallel dazu hatte sie sich noch bei der Heinrich Böll Stiftung (siehe auch Stipendien) um ein Stipendium beworben. Auch das hat funktioniert: Pro Monat 897 Euro inklusive Büchergeld. Hier hat sich ihr jahrelanges ehrenamtliches Engagement in einer Initiative gegen Antisemitismus in Berlin-Kreuzberg sprichwörtlich ausgezahlt. „Ich kenne Mitstudierende, die haben sich drei-, viermal um ein Stipendium beworben. Irgendwann hat es dann geklappt. Es lohnt sich also, am Ball zu bleiben.“

Inzwischen befindet sich Kübra Karatas im zweiten Semester und ist froh, dass sie nach dem Studienabbruch in Berlin den Mut hatte, einen völlig neuen Weg einzuschlagen. Das Studium entspricht genau ihren Wunschvorstellungen.

Weitere Informationen

Studienwahl.de
Im FINDER können Sie nach Ihrem Wunschstudiengang suchen:
www.studienwahl.de/de/studieren/finder.htm
Informationen rund um das Thema Wohnen & Finanzierung finden Sie unter
www.studienwahl.de/de/studieren/wohnen-finanzierung.htm

abi>> dein weg in studium und beruf
Informationen über Studiengänge, Berufe und Arbeitsmarktchancen, zugeschnitten auf Abiturient(inn)en:
www.abi.de

Einen ausführlichen abi>> Beitrag zu Stipendien finden Sie unter
www.abi.de/studium/finanzen/stipendien-hintergrund013344.htm

BAföG
Einen Überblick über die wichtigsten Regelungen des BAföG und ergänzende Rechtsverordnungen mit Erläuterungen, Fallbeispielen, Adressen der zuständigen Ämter und Antragsformularen finden Sie unter www.das-neue-bafoeg.de
Eine Kurzinformation des BMBF finden Sie zudem hier als PDF-Download.

Vorgestellte Förderprogramme:

Carl von Ossietzky Universität Oldenburg:
Vorbereitungskurse für Erstakademiker/-innen
www.uni-oldenburg.de/chancen/vorbereitungskurse/

Arbeiterkind.de
www.arbeiterkind.de

Studienkompass
www.studienkompass.de

Zeppelin Universität – Hochschule zwischen Wirtschaft, Kultur und Politik:
„Stipendien fürs Anderssein“
www.zu.de/deutsch/bewerberportal/common_resources/stipendien/diversitaet.php

In den Reportagen genannte Studiengänge:

Carl von Ossietzky Universität Oldenburg:
Musik und Physik (Zwei-Fächer-Bachelor) auf Lehramt
www.uni-oldenburg.de/nc/studium/studiengang/?id_studg=15 sowie
www.uni-oldenburg.de/nc/studium/studiengang/?id_studg=123

Zeppelin Universität – Hochschule zwischen Wirtschaft, Kultur und Politik:
Communication & Cultural Management
www.zu.de/deutsch/bewerberportal/bachelor/2010/CCM_einstieg.php?navid=116

Drucken Versenden
Nach obenNach oben
Signet Finder
Geprüft von den Ländern der Bundesrepublik Deutschland
Bedienungshinweis
17725
Studiengänge
443
Hochschulen
Erweiterte Suche Deutschlandkarte Bedienungshinweis
Suchergebnisfenster schließen
Treffervorschau
Studiengängez.B.:
Buchinhalte:
Aktuelle Beiträge: