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Ein Kompass liegt auf der Wiese

Offizieller Studienführer für Deutschland

Ein Flugzeug startet.
Ob in der Luft, im All oder am Boden: In der Luft- und Raumfahrt bieten sich spannende Aufgaben. Foto: Heidrun Hönninger

Studienmöglichkeiten in der Luft- und Raumfahrt

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Die Kundenliste der Abteilung von Kim Thormann könnte kaum exklusiver sein: Regierungen, große Unternehmen und wohlhabende Geschäftsleute. Die 34-jährige Ingenieurin für Luft- und Raumfahrttechnik leitet den Customer Support der Business Unit Innovation der Lufthansa Technik in Hamburg. Ziel dieser 2002 gegründeten Abteilung ist es, für vielfliegende Kund(inn)en, die die Flugzeit intensiv nutzen wollen, individuelle Lösungen zu entwickeln.

Flugzeuge nach Wunsch einrichten?

„In meinem Team kümmern wir uns um die Elektronik im Innenraum der Maschine. Ein klassisches Beispiel für diese Arbeit ist das Einrichten eines fliegenden Büros“, erklärt Kim Thormann. So muss der solvente Fluggast vom DVD-Player über einen Internetanschluss bis hin zu modernster Telefontechnik auch über den Wolken auf keinen Komfort verzichten. „Unsere Aufgabe ist die Planung und Einrichtung der Ausstattung sowie deren Wartung, aber auch die Schulung des Personals“, sagt sie. Dementsprechend besteht ein großer Teil ihres Arbeitsalltags aus intensivem Kundenkontakt. Außerdem ist sie als Teamleiterin für sechs Mitarbeiter verantwortlich.

Aufgaben, die sie im Studium noch nicht bewusst angestrebt hat: „Ich habe aus Begeisterung für das Fliegen Luft- und Raumfahrttechnik studiert und bin durch ein Praktikum zu meiner heutigen Abteilung gekommen“, erklärt die Ingenieurin. Während ihres Studiums war sie ein Jahr in den USA – aus ihrer Sicht eine wichtige Erfahrung: „Sehr gutes Englisch und interkulturelle Kompetenz sind in unserer Branche wichtig, genauso wie Teamfähigkeit oder Präsentationstechniken.“

Vielfältige Möglichkeiten, breite Zugangswege

Diese Einschätzung bestätigt Annedore Bröker vom Team akademische Berufe der Agentur für Arbeit in Hamburg. „Heute reichen sicherer Umgang mit Zahlen und technisches Know-How allein nicht mehr für eine Karriere als Ingenieur/-in aus. Gerade in Abteilungen mit hohem Projektanteil sind Team- und Kommunikationsfähigkeit sowie Fremdsprachenkenntnisse ein absolutes Muss.“

Die junge Frau stattet ein Flugzeug-Cockpit technisch aus.

Kim Thormann stattet den Innenraum von Flugzeugen nach Kundenwunsch aus.

Foto: Privat

Doch die Luft- und Raumfahrtbranche ist vielfältig und umfasst neben der zivilen und militärischen Luftfahrt auch die Luftfahrtforschung sowie die Raumfahrt, die etwa zehn Prozent der gesamten Branche ausmacht. Eine konkrete Empfehlung zur richtigen Studienwahl für dieses breite Betätigungsfeld kann die Berufsberaterin daher nicht geben. Allgemeinere technische Studiengänge wie Maschinenbau oder Elektrotechnik sind aus ihrer Sicht in der Industrie genauso gefragt wie stark spezialisierte, etwa die Luft- und Raumfahrttechnik.

Zu diesem Studiengang liefert der FINDER von studienwahl.de derzeit 25 Bachelor- und Masterstudienangebote. Nimmt man die genannten allgemeineren technischen Studiengänge hinzu, erweitert sich die Auswahl auf rund 750 Studienmöglichkeiten!

Arbeitsmarkt: Positive Entwicklung

Dass schwerpunktmäßig Absolvent(inn)en der Ingenieurwissenschaften in der Branche beschäftigt werden, bestätigt Claudia Kessler, Vizepräsidentin der Deutschen Gesellschaft für Luft- und Raumfahrt (DGLR), und ergänzt: „Gleichzeitig wird aber auch im Bereich der Software-Entwicklung durchaus gesucht. Die Aufgabengebiete reichen hier bis hin zum Qualitätsmanagement und der Grundlagenforschung.“ Auch außerhalb der Technik gebe es Bedarf, zum Beispiel in der Verwaltung, im Design oder der Kommunikation. „Die Bandbreite ist immens“, resümiert die DGLR-Vizepräsidentin: „Auch Pädagog(inn)en sind beispielsweise gefragt, etwa um Luft- und Raumfahrttechnik in die Schulen zu bringen.“

Grundsätzlich gilt: „Ein wichtiger Faktor für den Berufseinstieg ist entsprechende Praxiserfahrung, belegt zum Beispiel durch Praktika oder Projektarbeiten bei Unternehmen“, weiß Annedore Bröker. Der Einstieg sei dabei auf der technischen Seite deutlich einfacher als im klassischen Service oder dem Management, da in diesen Bereichen eher Personal eingespart werde.

Nachhaltigkeit auch in luftiger Höhe

„Auf der Entwicklungsseite ist die Nachhaltigkeit ein wichtiges Thema geworden“, erläutert Claudia Kessler, „auch aufgrund der steigenden Kerosinpreise“. Um etwa die Effizienz und Umweltfreundlichkeit von Flugzeugen zu erhöhen, werden sowohl Praktiker/-innen als auch Forscher/-innen aus den verschiedensten Fachbereichen gesucht – vom Geografen bis zur Informatikerin.

Gleiches gilt für die Raumfahrt: Auch hier besteht hoher Bedarf an Absolvent(inn)en naturwissenschaftlicher Studiengänge, gerade in Bereichen der alltäglichen Anwendung, zum Beispiel Navigation, Wetterbeobachtung, Kommunikation oder der Erschließung von Rohstoffen.

Insgesamt gehe es der Branche gut, wie auch Judith Wüllerich vom Team Arbeitsmarktbeobachtung der Bundesagentur für Arbeit bestätigt. „Der Arbeitsmarkt im Bereich der Luft- und Raumfahrt hat sich positiv entwickelt. Die Zahl der gemeldeten Arbeitsstellen ist 2011 kräftig gestiegen.“ Insgesamt sind hierzulande knapp 850.000 Menschen in der Luftfahrt beschäftigt, dazu zählen sowohl Großbetriebe wie Airbus mit über 23.000 Angestellten als auch die zahlreichen mittelständischen Zulieferbetriebe. In der Raumfahrt arbeiten derzeit rund 98.000 Menschen.

Interview

Chancen für internationale Teamplayer

Luft- und Raumfahrt – das hört sich spannend an! Doch wie stehen die Chancen, in der Branche einen Job zu finden? Und welche Kenntnisse und Eigenschaften sind gefragt? Studienwahl.de hat sich bei Claudia Kessler, Vizepräsidentin der Deutschen Gesellschaft für Luft- und Raumfahrt (DGLR) erkundigt.

Claudia Kessler

Claudia Kessler

Foto: Privat

Studienwahl.de: Was macht die Luft- und Raumfahrtbranche für junge Absolvent(inn)en attraktiv?

Claudia Kessler: Das Thema ist spannend – es gibt einfach eine Faszination für das Weltall und das Fliegen. Gleichzeitig ist in den vergangenen Jahren auch die Erdbeobachtung aus dem All wichtiger geworden. Die wiederum spielt bei hochrelevanten Themen wie Klimawandel oder Wetterprognosen eine entscheidende Rolle.

Studienwahl.de: Gibt es Trends in der Branche?

Claudia Kessler: Die Europäische Union entwickelt derzeit ihr eigenes Satelliten-System für Navigationsgeräte namens ‚Galileo‘, vor allem um unabhängig vom amerikanischen GPS zu sein. Im Zuge solcher Programme werden stets Ingenieure und Ingenieurinnen gesucht. Zudem startet in den nächsten vier bis acht Jahren sicherlich ein neues Raketenprogramm. Und in der Luftfahrt ist die Nachhaltigkeit ein ganz großes Thema: Wie werden Flugzeuge umweltfreundlicher und wie kann man die Reichweite erhöhen?

Studienwahl.de: Wie steht es um die Nachfrage nach qualifiziertem Nachwuchs?

Claudia Kessler: Die ist wie in allen technischen Bereichen hoch. Allerdings muss man sich für einen reibungslosen Einstieg nach dem Studium etwas anstrengen. Ein Bachelor reicht in vielen Fällen nicht aus, ein guter Masterabschluss ist definitiv empfehlenswert. Außerdem werden entsprechende Praktika, Projekte in der Industrie oder Werkstudenten-Tätigkeiten gern gesehen.

Studienwahl.de: Welche Eigenschaften und Soft Skills sollten Bewerber/-innen mitbringen?

Claudia Kessler: Die Luft- und Raumfahrttechnik ist eine internationale Branche, dementsprechend ist gutes Englisch absolut Pflicht. Außerdem sollten die Bewerber/-innen teamfähig sein, die Arbeit ist sehr teamorientiert und das oft auf internationaler Ebene, weshalb auch Auslandssemester gern gesehen sind.

Aviation Management

Zwischen BWL und Boarding

Aus Leidenschaft für das Fliegen entschied sich Michelle Mentgen (22) für den Studiengang „Aviation Management" an der Fachhochschule in Worms.

In einem Hangar stehen verschiedene Maschinen und werden gewartet.

"Flugzeuge im Bauch?" Für manche gilt das auch beruflich: Sie sind regelrecht verliebt ins Abheben.

Foto: Alex Becker

Fliegen hat Michelle Mentgen schon als Kind fasziniert: „Mit meinen Eltern bin ich damals so manchen Sonntag zum Frankfurter Flughafen gefahren. Mich hat die Atmosphäre dort immer begeistert“, erzählt die junge Frau, die nach dem Abitur als Flugbegleiterin bei der Deutschen Lufthansa anfing und sich wenig später für den Studiengang „Aviation Management“ an der Fachhochschule in Worms entschied. „Durch meine Arbeit als Flugbegleiterin kannte ich viele Abläufe im Luftverkehr aus der Praxis, ein reines BWL-Studium kam für mich deshalb gar nicht infrage. Auch weil mich die Faszination Fliegen nach vielen Flugmeilen noch nicht losgelassen hat.“

Ihr Studiengang in Worms verbindet betriebswirtschaftliche Inhalte mit dem Luftverkehrsmanagement. Unterrichtssprache ist aufgrund der Internationalität der Branche Englisch. „Man sollte also über gute Englischkenntnisse verfügen und sich darüber im Klaren sein, dass das Studium aus einem guten Teil Betriebswirtschaft besteht. Von Mathe und Bilanzierung beispielsweise sollte man sich nicht abschrecken lassen“, meint Michelle Mentgen.

Praxisnahes Studium

Neben den theoretischen Grundlagen legt man in Worms auf Branchennähe großen Wert. So kann auch im Praxisverbund mit einem Unternehmen aus der Luftfahrt studiert werden. Außerdem sind zwei fünfwöchige Praktika am Flughafen oder bei einer Airline vorgesehen. „Diese Erfahrungen helfen uns dabei, bereits Gelerntes in die Praxis umzusetzen und zu erleben, wie es wirklich im Berufsleben ist. Ich werde mein nächstes Praktikum beispielsweise bei Lufthansa Cargo absolvieren“, erzählt die angehende Aviation Managerin.

Auch Auslandssemester an englischsprachigen Universitäten werden angeboten, zudem hält einmal pro Monat ein Branchenvertreter einen Gastvortrag an der Hochschule. Und sogar eine Fluglizenz für Kleinflugzeuge können die Studierenden in Kooperation mit einem örtlichen Verein erwerben. Dementsprechend glücklich ist die 22-Jährige auch über ihre Studienwahl.

Das Studium bietet sowohl die Grundlage für die Arbeit im Management von Tourismusanbietern oder Airlines als auch den Einstieg in die Luftverkehrslogistik. Wo genau sie später arbeiten möchte, weiß Michelle Mentgen noch nicht, auch wenn es eine Tendenz gibt. „Ich interessiere mich sehr für Stationsmanagement von Airlines, also die Koordination zwischen Flughafen und Fluglinie, und würde deshalb sehr gerne ein Praktikum nach dem Studium in diesem Bereich machen. Danach möchte ich aber vielleicht noch ein Masterstudium anschließen.“

Europäischer Studiengang Space Master

Technik und Wissenschaft vereint

Mehr Teamarbeit, mehr Praxisbezug, weniger im stillen Kämmerlein forschen – das wollte Florian Reichel (26) nach seinem Bachelor in Physik. Seine Wahl fiel auf den europäischen Studiengang „Space Science and Technology“, kurz „Space Master“. Der von der EU geförderte Studiengang für Weltraumforschung und Raumfahrttechnik bündelt mehrere technische und naturwissenschaftliche Disziplinen.

„Ich fand die Weiten des Universums schon immer äu-ßerst spannend. Als Kind habe ich mich regelmäßig mit neuen Sammelkarten zu den Planeten unseres Sonnensystems eingedeckt“, erinnert sich Florian Reichel. Trotzdem war die Weltraumforschung für den Bensheimer erst einmal kein konkretes Berufsziel. Nach Abi und Zivildienst entschied er sich zunächst für ein klassisches Physikstudium an der TU Darmstadt, das er mit einer Arbeit im Bereich Kernphysik abschloss. „Die Kernphysik hat im weitesten Sinne schon etwas mit Weltraumforschung zu tun: Sie ermöglicht die Analyse von Stoffen und Prozessen, die im Universum auftreten“, schildert er.

Eine Foto aus dem All: Zu sehen ist eine Raumstation.

"Der Weltraum, unendliche Weiten" - und doch wag der Mensch seinen Fuß hinein.

Foto: Gerhard Blank

Auch seinen Master wollte er in Darmstadt machen, entdeckte dann jedoch durch Zufall auf der Homepage der European Space Agency (ESA) den europäischen Mas-terstudiengang „Space Master“. In vier Semestern werden dort junge Wissenschaftler/-innen und Ingenieure und Ingenieurinnen auf einen Einsatz im Bereich Weltraumforschung und Raumfahrttechnik gezielt vorbereitet. Das praxisorientierte Studium findet in Würzburg, Kiruna (Schweden) und je nach Studienschwerpunkt an einer weiteren Partneruniversität statt. Die Unterrichtssprache ist Englisch.

Kommilitonen aus der ganzen Welt

Florian Reichel bewarb sich ohne zu zögern, und war 2010 einer von über 400 Bewerber/-innen – der „Space Master“ steht Interessent(inn)en aus aller Welt offen. „Die Luleå University of Technology in Schweden ist der Kopf des Studiengangs. Dort habe ich mich beworben. Ich musste ziemlich viele Unterlagen einreichen, unter anderem zwei Empfehlungsschreiben von Professoren und den Nachweis meiner Englisch-Kenntnisse anhand eines TOEFL-Tests“, blickt er zurück. Er wurde angenommen und ergatterte zudem ein Erasmus-Mundus-Stipendium in Höhe von 2.500 Euro pro Semester, das die Studiengebühren in Höhe von 2.000 € mit abdeckt.

Im Oktober 2010 begann Florian Reichel sein Masterstudium zusammen mit 40 jungen Menschen aus Ländern rund um den Globus. Seine Kommiliton(inn)en brachten unterschiedliche Grundlagen mit: Sie haben Elektrotechnik, Mathematik, Informatik, Physik, Astronomie oder vergleichbare Natur- oder Ingenieurwissenschaften studiert. Erste Station war Würzburg, Fachbereich Informatik. Auf dem Programm standen hier auch Vorlesungen aus der Astrophysik. Gastdozent(inn)en aus der Luft- und Raumfahrtindustrie führten die Erstsemester an Praxisanforderungen heran. Besonders wertvoll fand Florian Reichel die praktische Übung: „Wir durften als Semesterarbeit in einem kleinen Team einen ‚CanSat‘ – einen funktionierenden Modellsatelliten im Dosenformat – entwickeln und bauen. Das war nicht nur fachlich eine Herausforderung, wir mussten uns auch als interdisziplinäres Team organisieren und kulturelle Hürden überwinden.“

Studienaufenthalt in Schweden

Nach dem ersten Semester inklusive Abschlussprüfungen ging es weiter ins schwedische Kiruna. Dort im Space Campus der Luleå University of Technology standen elektrotechnische Fragestellungen im Mittelpunkt. „Da konnte ich auf kein großes Vorwissen zurückgreifen und musste ziemlich viel nachholen“, erinnert sich Florian Reichel. Auch in Kiruna gab es Praxiseinheiten im Labor, zudem konnten die Studierenden während der Sommersemesterferien ein Industriepraktikum absolvieren.

Im dritten Semester trennten sich die Wege der angehenden „Space Masters“: Je nach Studienschwerpunkt wurde an einer der sechs Partnerunis weiterstudiert. Florian Reichel kehrte zurück an die Uni Würzburg und beschäftigte sich von nun an vor allem mit Fragen zur Miniaturisierung von Satelliten. Auch seine Masterarbeit schrieb er in diesem Bereich. Bereits vor der Präsentation seiner Arbeit im Dezember 2012 hatte er einen Anschlussvertrag in der Tasche! Im Rahmen eines Forschungsprojekts der Uni Würzburg arbeitet er nun gemeinsam mit einem Team von Wissenschaftlern daran, einen Miniatur-Satelliten namens ‚UWE-3‘ termingerecht ins All zu bringen. „Ich habe mich bereits während meiner Masterarbeit mit UWE-3 beschäftigt“, erläutert er. Nach der Fertigstellung soll UWE-3 im April von Kasachstan aus ins All katapultiert werden. „Bei einem Satellitenstart war ich noch nie dabei. Sehr gerne würde ich mir das vor Ort live anschauen, auch wenn man dort wohl nur in einem Bunker sitzt und den Start über Bildschirme verfolgt. Trotzdem ist das eine spannende Sache.“ Danach will Florian Reichel vielleicht noch eine Promotion anschließen.

German Trainee Programme des DLR

In weiter Ferne und doch so nah!

Dass in der Luft- und Raumfahrtindustrie nicht nur Ingenieure arbeiten, beweist Anica Huck (27). Sie lernte während ihres Geografiestudiums das Fachgebiet „Fernerkundung“ kennen und lieben. Jetzt vertieft sie ihr Fachwissen im Rahmen eines Trainee-Programms des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) und arbeitet in einem Erdbeobachtungszentrum in der Nähe von Rom.

Anica Huck bei einer Präsentation.

Foto: Privat

Um die Erde von oben zu sehen, muss man nicht selbst abheben: Tausende von Satelliten umkreisen den Planeten und liefern neben Bildern auch eine Vielzahl anderer Daten. Fernerkundungsspezialist(inn)en wie Anica Huck sorgen dann dafür, dass daraus verwertbare Informationen werden. „Viele, viele Daten sammeln, auswerten und dann sinnvoll neu miteinander ver-knüpfen, das ist es, was mein Fachgebiet ausmacht“, erklärt die Thüringerin.

Momentan arbeitet Anica Huck als Trainee beim European Space Research Institute (ESRIN) in der Nähe von Rom. Am ESRIN ist das Erdbeobachtungszentrum der Europäischen Weltraumorganisation ESA angesiedelt. Für dieses erstellt sie eine Webapplikation, die Wissenschaftlern aus verschiedenen Fachgebieten und politischen Entscheidern die Bedeutung der Fernerkundung näher bringen soll. Finanziert wird ihre Arbeit durch ein Stipendium des German Trainee Programme (GTP) des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR).

In ihrem ersten Semester an der Uni Jena hörte sie zum ersten Mal von den Möglichkeiten der Erdbeobachtung und war fasziniert: „Ich hatte eine wunderbare Professorin. Sie hat mir auch die soziale Dimension der Fernerkundung näher gebracht. Katastrophenschutz, Klimaforschung, umweltfreundliche Stadtentwicklung, überall da leistet die Fernerkundung einen wichtigen Beitrag.“

Bewerbung auf Umwegen

Anica Huck entschied sich daher nach ihrem Bachelorabschluss für den Masterstudiengang Geoinformatik mit Schwerpunkt Fernerkundung und blieb in Jena. Ihre Masterarbeit schrieb sie über Erdrutsch- und Überschwemmungsgebiete in Chile. Dabei erfuhr sie über eine Professorin vom Trainee-Programm des DLR. Dieses schreibt einmal im Jahr, meist im Sommer, die rund 15 ESA-Stellen des ‚German Trainee Programme’ auf seiner Homepage aus. Um die 200 Bewerbungen gehen jährlich ein. Erfolgreiche Bewerber/-innen werden an einem der ESA-Standorte in Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien oder den Niederlanden eingesetzt. Die Stellen sind zunächst auf ein Jahr angelegt, können aber auf zwei Jahre verlängert werden.

Während das DLR die von Anica Huck komplett in Englisch verfassten Bewerbungsunterlagen prüfte, erhielt sie die Möglichkeit, auf selbständiger Projektbasis eine deutsch-russische Expedition in Sibirien vorzubereiten – und griff zu: „Ich war schon dort, als ich vom DLR die Einladung zum Vorstellungsgespräch erhielt, und gedanklich bei der Arbeit in Sibirien. Deshalb habe ich auch kurz gezögert.“ Sie entschied sich dann doch dafür, zurückzufliegen, traf sich mit Vertretern des DLR sowie der ESA zum Vorstellungsgespräch in Köln und flog wenig später wieder zurück. Ein Interview übers Internet folgte, dieses Mal mit ihrem zukünftigen Tutor – und kurz darauf kam die Zusage.

In mehrere Bereiche hineinschnuppern

Im Februar 2012 trat Anica Huck ihre Trainee-Stelle am ESA-Erdbeobachtungszentrum an. Ihre Kolleg(inn)en kommen aus verschiedenen Fachrichtungen und stammen aus allen Ländern der Welt. Gesprochen wird Englisch. „Ich habe zwar eine konkrete Aufgabe, kann aber auch in unterschiedliche Bereiche hineinschnuppern. Der wissenschaftliche Austausch bei der ESA ist sehr aktiv, was sehr spannend ist.“ Mittlerweile hat sie ihren Trainee-Vertrag verlängert. Bis Februar 2014 wird sie in Rom bleiben und die Webapplikation für politische Entscheider auf den Weg bringen. Dabei fungiert sie als Organisatorin und Mittlerin: „Die Wissenschaftler liefern die Auswertungen und die Designer kennen sich bestens damit aus, wie man ein Thema allgemeinverständlich visualisiert.“

Das kommende Jahr will Anica Huck noch nutzen, um sich zu orientieren, wobei sie eher in Richtung Forschung tendiert. Bei der ESA selbst rechnet sie sich keine großen Chancen aus. „Es wird von Anfang an betont, dass eine Übernahme nur in ganz seltenen Fällen möglich ist. Stattdessen werden alle Trainees dazu ermutigt, erst einmal weitere Erfahrungen in der Industrie zu sammeln und dann wieder zurückzukehren“, sagt die 27-Jährige. Auch wenn ihre Wahl auf eine universitäre Karriere fallen sollte, will die Geoinformatikerin Kontakt zum ESA-Netzwerk und zum DLR halten und hofft auf spannende Kooperationen.

Weitere Informationen

Studienwahl.de
mit dem FINDER können Sie sich eine Vielzahl von Studiengängen im Bereich Luft- und Raumfahrt anzeigen lassen.
www.studienwahl.de/de/studieren/finder.htm

BERUFENET
Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.500 ausführlichen Berufsbeschreibungen in Text und Bild.
www.berufenet.arbeitsagentur.de

abi >> dein weg in studium und beruf
Informationen über Studiengänge, Berufe und Arbeitsmarktchancen, zugeschnitten auf Abiturient(inn)en:
www.abi.de

Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt e.V. (DLR)
Forschungszentrum der Bundesrepublik Deutschland für Luft- und Raumfahrt, Energie und Verkehr.
www.dlr.de

Europäische Weltraumorganisation ESA
Auf den deutschen Seiten der ESA finden sich Informationen zum gemeinsamen europäischen Weltraumprogramm, zu den ESA-Standorten und -Zentren sowie zu Forschungsprojekten und Missionen.
http://www.esa.int/ger/ESA_in_your_country/Germany

Deutsche Gesellschaft für Luft- und Raumfahrt (DGLR)
Mit mehr als 3.000 Mitgliedern die größte Vereinigung ihrer Art in Deutschland und in sämtlichen Fach- und Arbeitsbereichen der Luft- und Raumfahrt vertreten.
www.dglr.de

Skyfuture.de
Die Datenbank informiert über Studiengänge von Universitäten, Fachhochschulen und anderen Anbietern. Das Angebot wird von der Deutschen Gesellschaft für Luft- und Raumfahrt (DGLR) betreut.
www.skyfuture.de/studium-luft-und-raumfahrt

Verein Deutscher Ingenieure (VDI)
Der VDI hat eine Arbeitsgruppe zum Thema „Luft- und Raumfahrttechnik“. Darin sind sowohl Wissenschaftler/-innen als auch Praktiker/-innen aus der Industrie vertreten.
www.vdi-bb-lrt.de

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