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Ein Kompass liegt auf der Wiese

Offizieller Studienführer für Deutschland

Eine junge Frau mit schwarzer Bluse lauscht den Worten ihres Vorgesetzten.
. Foto: Rehm

Praktikum - Weichen stellen, Erfahrungen sammeln

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Für Martin Lauth, der an der Universität Paderborn im dritten Semester Maschinenbau studiert, gehörte laut Prüfungsordnung vor Beginn des Studiums ein Vorpraktikum von mindestens acht Wochen zum Pflichtprogramm. Dieses absolvierte der angehende Maschinenbauingenieur in einem auf die Instandhaltung von Bahntrassen spezialisierten Ingenieurbüro. Für den 22-Jährigen, der nach dem Studium gern bei einem Hersteller von Schienenfahrzeugen arbeiten möchte, war das eine wichtige Erfahrung.

"Im Beruf kommt es später darauf an, an Schnittstellen interdisziplinär mit anderen zusammenarbeiten zu können", sagt er. "Derjenige, der die Fahrzeuge baut, sollte wissen, wie derjenige arbeitet, der die Strecken errichtet, und mit ihm eine gemeinsame Sprache finden." Gerade in einem Ingenieurstudiengang hält er praktische Erfahrungen für wichtig. "Wenn man Maschinenbau studiert, kann es nicht schaden, mit einer Feile schon mal einen Vierkant bearbeitet zu haben."

Für ein paar Wochen Praxisluft schnuppern

Ähnlich wie bei Martin Lauth wird für viele Studiengänge im Zulassungsverfahren ein Vorpraktikum gefordert – oftmals, weil die Hochschulen sichergehen wollen, dass Bewerberinnen und Bewerber die richtige Wahl getroffen haben.

 

Eine junge Frau vor dem Computer. Eine Person im Hintergrund gibt ihr Anleitung.

Durch Praktika können Sie u.a. erkunden, welche beruflichen Bereiche Ihnen besonders liegen.

Foto: Burkhardt Hellwig

"Dieses Praktikum darf man nicht verpassenf, sagt Christine Schramm-Spehrer, Berufsberaterin bei der Arbeitsagentur Gießen, "da man sonst möglicherweise bei der Studienplatzvergabe abgelehnt wird." Die Anforderungen seien jedoch unterschiedlich. In vielen Studiengängen könnten Studierende aber das Vorpraktikum ganz oder teilweise bis zu einem bestimmten Fachsemester nachholen.

Doch auch schon vor dem Abitur haben Schüler und Schülerinnen die Möglichkeit, für zwei bis drei Wochen die Schulfbank beispielsweise mit einer Werkbank, einem Bürostuhl oder einem Bankschalter zu tauschen: während des Schülerbetriebspraktikums, das an vielen Schulen als verpflichtender Ausflug in die Berufswelt angeboten wird. Es hilft zu überprüfen, ob die eigenen Vorstellungen vom Beruf mit der Wirklichkeit übereinstimmen, und findet meist in der neunten oder zehnten Klasse statt. Die Regelungen sind jedoch von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich. "Leider fällt das Praktikum an manchen Schulen unter den Tisch, zumal die Zeit mit der G8-Einführung knapp geworden ist", sagt Christine Schramm-Spehrer. Als Berufsberaterin und Leiterin verschiedener Seminare zum Thema "Bewerbung" weiß sie, dass damit wertvolle Möglichkeiten verschenkt werden. "Wenn das Praktikum in der Unterrichtsplanung nicht berücksichtigt wird, sollten Schüler oder Eltern die jeweiligen Lehrer ansprechen", lautet ihr Rat.

Praktikum als Plus bei Bewerbungen

Allerdings dienen Praktika nicht nur der Berufs- oder Studienorientierung. Das studienbegleitende Praktikum soll auch zwischen den einzelnen Lehrveranstaltungen Praxisnähe schaffen, indem das erworbene Wissen unmittelbar in Betrieben angewendet werden kann. Christine Schramm-Spehrer rät grundsätzlich zu diesem Schritt. "Wenn der Studienplan kein Praktikum vorgibt, sollfte man sich freiwillig dafür entscheiden." In den von ihr geleiteten Profilbildungsseminaren ist dies ein wesentlicher Punkt, denn Praxiserfahrungen machen sich gut bei Bewerbungen. "Ein Praktikum ist immer ein Plus", betont sie. "Wer sich zum Beispiel nach seinem BWL-Logistikstudium bei einer Dienstleistungsfirma vorstellt und dabei berichten kann, wie er bereits im Praktikum zur effektiven Routenplanung beigetragen hat, ist klar im Vorteil."

Freiwillige Praktika

Eine junge Frau, vollgepackt mit Aktenordnern.

Foto: Elizaveta Shlosberg

Besonders wichtig sind freiwillige Praktika während des Studiums aber auch für Studierende der Geistes- und Sozialwissenschaften, für die es oft kein festes Tätigkeitsprofil gibt. So können sie erkunden, in welchen Bereich sie später einsteigen wollen, und dabei bereits wertvolle Kontakte zu potenziellen Arbeitgebern/-innen knüpfen. Außerdem erwirbt man während eines Praktikums Fähigkeiten, die im Arbeitsleben verlangt werden, etwa Schlüsselqualifikationen wie Kommunikations- und Teamfähigkeit.

Eine weitere Variante sind Auslandspraktika, die während der Studienzeit praktische Einblicke in Betriebe anderer Länder ermöglichen und helfen, multikulturelle Kompetenzen zu vertiefen. Bei vielen Studiengängen sind sie eine freiwillige Sache. "Hier kann man sich meist mit den Hochschulen einigen und das Studium entsprechend verlängern", ergänzt Christine Schramm-Spehrer. "Unterstützung bieten auch die jeweiligen Auslandsreferate, obendrein gibt es Fördermöglichkeiten wie das ERASMUS-Programm."

Praktika nach dem Studium?

Der Wert all dieser Praktika liegt auf der Hand, sie helfen bei der Orientierung und ergänzen die Ausbildung um berufspraktische Aspekte. Dennoch werden Praktika nicht ausschließlich positiv gesehen, vor allem, wenn sie nach dem Studium absolviert werden. "Die sogenannten Praktikantenkarrieren sind durchaus kritisch zu hinterfragen", sagt auch Christine Schramm-Spehrer, betont allerdings: "Hier bestehen auch Vorurteile, die durch entsprechende Meldungen noch geschürt werden.

In manchen Fällen könnten freiwillige Praktika nach dem Studienabschluss auch Türen öffnen und das eigene Profil weiter schärfen. Wer das Gefühl hat, ein Dasein als "Dauerpraktikant/in" zu fristen, sollte indes genauer hinsehen: "Ist der eigene Wert auf dem Arbeitsmarkt hoch, sollte man früher den Schlussstrich ziehen", so das Fazit der Berufsberaterin, "wenn hingegen Qualifikationen fehlen, die andere Bewerber mitbringen, kann man durch Praktika weitere Pluspunkte sammeln."

Interview

"Das Lernen sollte im Vordergrund stehen"

Vorteile und Risiken, Rechte und Pflichten: DGB-Bundesjugendsekretär René Rudolf sprach mit studienwahl.de über den Status "Praktikant/in".

Porträtfoto R. Rudolf

Foto: Privat

Herr Rudolf, wann bieten Praktika nach Ihrer Einschätzung besondere Chancen?

René Rudolf:  Zu befürworten sind Praktika innerhalb eines Studiums. Sie bieten den Vorteil, dass das theoretische Wissen mit praktischem Erleben im Unternehmen einhergehen kann.

Worauf sollte man bei der Suche nach einem Praktikumsplatz achten?

René Rudolf:  Bei Angeboten, die mit eigenständiger Verantwortung oder der Koordination von Projekten locken, ist davon auszugehen, dass hier kein Praktikum absolviert, sondern regulär gearbeitet werden soll. Zur Orientierung bietet die DGB-Jugend auf ihrer Homepage eine Praktikumsbewertung der Unternehmen an (siehe ).

Wie kann man frühzeitig sicherstellen, dass das Praktikum einen wirklich weiterbringt?

René Rudolf:  Man sollte darauf achten, dass ein Plan mit den Inhalten und Zielen des Praktikums erstellt wird und ein fester Ansprechpartner definiert ist. Das Praktikum sollte vergütet werden und nicht länger als drei Monate dauern. Diese Punkte sollten vertraglich fixiert werden.

Welche Rechte haben Praktikanten/-innen?

René Rudolf:  Grundsätzlich ist auch ein Praktikum ein Ausbildungsverhältnis. Hier sollte also das Lernen im Vordergrund stehen. Hellhörig sollte man werden, wenn das Praktikum einen anderen Charakter annimmt und man beispielsweise wie ein normaler Arbeitnehmer eingespannt wird oder regelmäßig Überstunden machen muss. In solchen Fällen sollte unbedingt das Gespräch mit der oder dem Vorgesetzten gesucht werden.

Und an welche Vorgaben müssen sich Praktikanten/-innen halten?

René Rudolf:  Die Pflichten der Praktikanten sind – abgesehen von einigen Einschränkungen – mit denen von Arbeitnehmern vergleichbar. Dazu gehört unter anderem die Wahrung von Geschäftsgeheimnissen. Außerdem dürfen Praktikanten die Bemühungen des Praktikumsgebers nicht durch geschäftsbeeinträchtigendes Verhalten wie Unpünktlichkeit konterkarieren. Andernfalls kann eine vorfristige Kündigung des Praktikums gerechtfertigt sein.

Porträt: Praktika zur Studienorientierung

Handwerk oder Medien?

Marike Lüders (19) schwankte in Sachen Berufsorientierung zwischen Innenarchitektur und Kommunikationsdesign. Um die richtige Wahl zu treffen, entschied sie sich für zwei aufeinanderfolgende Praktika.

Porträtfoto von M. Lüders

 Foto: Privat

Ihr Beruf sollte etwas mit Kunst und Gestaltung zu tun haben, soweit war sich Marike Lüders sicher. Doch die Palette an Studiengängen in diesem Bereich ist groß. "Nachdem ich einige Infoveranstaltungen von Hochschulen besucht hatte, gefiel mir zunächst Innenarchitektur am besten", sagt die Abiturientin, die bis Juli 2011 das Ratsgymnasium Osnabrück besucht hat. Weil Holzbearbeitung in diesem Studium eine große Rolle spielt, absolvierte sie ein zweimonatiges Praktikum in einer Tischlerei. "Dabei habe ich den Umgang mit den Materialien kennengelernt und erfahren, welches Holz sich auf welche Weise einsetzen lässt." Das Praktikum gefiel ihr gut, doch es blieb der Wunsch, noch andere Möglichkeiten kennenzulernen.

Weil für gestalterische Studiengänge in der Regel eine Bewerbungsmappe mit Arbeitsproben erforderlich ist, besuchte Marike Lüders nach dem Praktikum noch einen speziellen Mappenkurs – und kam erneut ins Grübeln. "Die Kursleiterin machte mich darauf aufmerksam, dass meine Fähigkeiten auch gut zu Kommunikationsdesign passen könnten." Für die 19-Jährige war das der entscheidende Hinweis: "Mir wurde klar, dass ich noch ein zweites Praktikum in einer Werbeagentur machen wollte." Das konnte sie nahtlos anschließen – und zieht bereits eine erste Bilanz: "Ich würde gerne Kommunikationsdesign in Braunschweig studieren. Das Studium ist noch kreativer und passt daher genau zu meinen Vorstellungen." Marike Lüders hofft nun, das bislang als achtwöchig geplante Praktikum verlängern zu können, um die Zeit bis zum Studienbeginn im Sommer 2012 zu überbrücken. "So kann ich weiterhin Erfahrungen sammeln, und im Lebenslauf machen sich die beiden Praktika auch gut."

Überblick

Verschiedene Praktikumsformen

Je nach Zeitpunkt, Zweck und Umfang haben Praktika verschiedene Bezeichnungen. Zu beachten ist, dass in den einzelnen Bundesländern, Hochschulen und Studiengängen unterschiedliche Anforderungen gelten können.

Schülerbetriebspraktikum

  • Bietet Schülern/-innen erste Einblicke in das Berufsleben
  • Dauer: in der Regel zwei- bis drei Wochen
  • Ist in vielen Bundesländern, beispielsweise in Nordrhein-Westfalen, während der 9. oder 10. Klasse vorgeschrieben, kann aber häufig auch im weiteren Verlauf der Oberstufe absolviert werden.
  • Um wirklich herauszufinden, welcher Beruf zu einem passt, ist es sinnvoll, mindestens zwei Betriebspraktika bei verschiedenen Firmen zu absolvieren.

Orientierungspraktikum

Der Begriff wird für zwei unterschiedliche Praktikumsformen verwendet:

  • Einerseits als Synonym für ein Schülerpraktikum – schließlich geht es bei dieser Praktikumsart um berufliche Orientierung
  • Andererseits als Begriff für ein spezielles Praktikum im Rahmen von Lehramtsstudiengängen: In diesem Fall ist das meist vierwöchige Orientierungspraktikum verpflichtende Voraussetzung für das Studium und soll gewährleisten, dass angehende Lehrer/innen schon frühzeitig wissen, ob sie der Praxis in Schulen gewachsen sind. Es findet in der Regel vor dem Studium statt, kann aber abhängig vom Studiengang häufig auch noch in den ersten Semestern nachgeholt werden.

Vorpraktikum

  • Zugangsvoraussetzung für viele Studiengänge
  • Dauer: meist mehrere Monate
  • Wie der Name schon sagt, muss es vor Antritt des Studiums (aber nach dem Schulabschluss) vollendet werden.
  • In vielen Studiengängen kann ein gefordertes Vorpraktikum ganz oder teilweise während der ersten Semester nachgeholt werden. Maßgebend dafür sind die Bestimmungen der jeweiligen Prüfungsordnung.

Studienbegleitendes Praktikum (verpflichtend oder freiwillig)

  • Praktika während des Studiums haben einen hohen Wert, weil das erworbene Wissen unmittelbar in Unternehmen angewendet werden kann.
  • Vor allem an den praxisorientierten Fachhochschulen sind diese Praktika oft Pflichtbestandteile des Lehrplans.
  • Dabei kann es sich je nach Studiengang und -format um ein einzelnes Praktikum oder um mehrere Pflichtmodule handeln, die sich durch das gesamte Studium ziehen.
  • Wenn keine verpflichtenden Praktika vorgesehen sind, können – und sollten – Studierende solche Praxiseinheiten freiwillig absolvieren. Vor allem in Studiengängen, die nicht in einen konkreten Beruf münden, etwa in den Geisteswissenschaften, kann dies wegweisend sein.

Auslandspraktikum

Während ein "Auslandssemester" ein halbes Studienjahr bezeichnet, das an einer fremdländischen Hochschule verbracht wird, handelt es sich beim Auslandspraktikum

  • um eine Praxisphase während des Studiums,
  • um die Möglichkeit, Einblick in Betriebe anderer Länder zu erhalten.

Ein solches Praktikum lässt sich grundsätzlich auch vor oder nach dem Studium absolvieren, wenn es der berufliche Weg zulässt.

Praktikum nach dem Studium

Die meisten Absolventen/-innen sind nach Studienabschluss nicht auf der Suche nach einem Praktikum, sondern nach einer regulären Festanstellung. In Einzelfällen kann es dennoch sinnvoll sein, auch nach dem Studium noch ein Praktikum zu absolvieren – etwa,

  • um sich noch fehlende Qualifikationen anzueignen,
  • bestimmte Wartezeiten zu überbrücken oder
  • ein Unternehmen zeitlich befristet kennenzulernen, ohne sich festzulegen.

Achtung: Grundsätzlich sind Praktika nach dem Studium mit Vorsicht zu genießen,

  • wenn sie zeitlich ausgedehnt sind und
  • die reguläre Anstellung zu ersetzen drohen.

Dann besteht die Gefahr, dass Hochschulabsolventen/-innen sich unter Wert verkaufen und als billige, aber hochqualifizierte Arbeitskräfte ausnutzen lassen.

 

Weitere Informationen

Praktikumsbörse auf studienwahl.de

studienwahl.de verfügt über eine eigene Praktikumsbörse – und hat eine umfassende Übersicht vieler anderer Angebote im Netz zusammengestellt:

Praktikumsstellen finden Sie unter:
www.studienwahl.de/de/praktikumsboerse/anzeigen.htm

Eine Liste mit weiteren Praktikumsbörsen gibt es unter:
www.studienwahl.de/de/praktikumsboerse/uebersicht.htm

 

Weitere Angebote im Netz:

JOBBÖRSE
Auf den Seiten der Jobbörse der Bundesagentur für Arbeit können Sie sich auch gezielt nach Praktikumsplätzen umsehen: Einfach in der Suchfunktion "Praktikum/Trainee" eingeben.
www.jobboerse.arbeitsagentur.de

abi>> dein weg in studium und beruf
Im Portal der Bundesagentur für Arbeit finden Sie in der Rubrik "Zwischen Schule und Beruf > Praktikum" weitere Informationen und Reportagen zum Thema Praktikum.
www.abi.de

Praktikumsinfos der DGB-Jugend
Auf den Seiten des Deutschen Gewerkschaftsbunds finden sich zahlreich Infos rund ums Thema Praktikum, zu Bewerbung und Zeugnis, Rechten und Pflichten. Zudem werden die Praktikumsplätze verschiedener Unternehmen bewertet.
www.dgb-jugend.de/studium/praktika/bewertung

Leitfaden für Praktikanten und Unternehmen
Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales und das Bundesministerium für Bildung und Forschung haben in Zusammenarbeit mit verschiedenen Verbänden einen Leitfaden mit dem Titel "Praktika – Nutzen für Praktikanten und Unternehmen" erarbeitet. Die Broschüre ist als PDF online verfügbar: Download

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