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Neun bunte Quadrate auf einem roten Hintergrund.

Offizieller Studienführer für Deutschland

Programmcode an einem Bildschirm.
Informatiker/-innen müssen nicht nur Programmiersprachen verstehen, sondern sollten auch über den Tellerrand in andere Disziplinen blicken. Foto: Thomas Lohnes

Mit und ohne Bindestrich Informatik studieren

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„Ich arbeite gern am Computer, aber die reine Informatik wäre mir zu trocken gewesen. Ich wollte mich lieber mit angewandter Informatik beschäftigen“, sagt Timo Ladwig. Aus diesem Grund entschied er sich für ein Bachelorstudium der Geoinformatik an der Hochschule Neubrandenburg. Er befindet sich mittlerweile im vierten von sieben Semestern. „Das erste Jahr bestand aus Grundlagen“, erinnert sich der 26-Jährige. Mathematik, Physik und Basiswissen aus der Informatik standen am Anfang auf dem Stundenplan, hinzukamen jeweils ein bis zwei spezielle Module wie Geowissen, Vermessungskunde, Geostatistik oder Landesvermessung.

Foto von Timo Ladwig.

Timo Ladwig

Foto: Privat

Ab dem vierten Semester konnten er und seine Kommiliton(inn)en sich spezialisieren. „Ich habe mich für die Fächer ‚Geoinformationssysteme und Fernerkundung für Land- und Krisenmanagement‘ sowie ‚Werkstoffkunde‘ entschieden“, berichtet Timo Ladwig. Dabei beschäftigt er sich zum Beispiel mit der Vorhersage von Überschwemmungen oder mit der Reflektion von unterschiedlichen Materialien, was ebenfalls für technische Berechnungen wichtig ist. Andere Studierende haben Schwerpunkte wie Satellitengeodäsie, Stadt- und Regionalplanung oder Industriemesstechnik gewählt. „Ich finde es spannend zu sehen, welche IT hinter Navigationssystemen, Karten oder dreidimensionalen Darstellungen der Welt steckt“, erklärt der Student der Geoinformatik.

Gute Aussichten für Bindestrich-Informatiker/-innen

Neben der Geoinformatik gibt es weitere „Bindestrich“-Informatikstudiengänge: An den Hochschulen und Universitäten finden sich die Fächer Medien-, Verwaltungs-, Medizin-, Bio-, Umwelt-, Wirtschafts- und Sozioinformatik. „Die spezialisierten Informatikstudiengänge zeichnen sich vor allem durch ihre praktische Anwendbarkeit aus“, erklärt Helmut Suchrow, Berufsberater im Team für akademische Berufe bei der Arbeitsagentur Hamburg. „Überall, wo es darum geht, viele Daten zu be- oder verarbeiten, sind Informatiker mit speziellen Kenntnissen im entsprechenden Bereich gefragt.“ Der Markt für Bindestrich-Informatiker/-innen wächst, so seine Beobachtung. In Jobbörsen wie etwa der von der Bundesagentur für Arbeit seien immer mehr offene Stellen für diese Berufsgruppen zu verzeichnen.

Kommunikationsfähige Teamplayer gesucht

Aber auch reine Informatiker/-innen müssten offen für fachpraktische Anwendungen sein, betont Helmut Suchrow. „Die Unternehmen suchen kommunikationsfähige Teamplayer, die auch mal über den Tellerrand der IT schauen.“ Angehende Informatiker/-innen jeglicher Fachrichtungen sollen laut dem Berufsberater großes Interesse für abstrakte Vorgänge mitbringen und gern disziplin- und fächerübergreifend arbeiten. Auch Ausdauer ist wichtig, wenn es um kniffelige Fragestellungen geht. „Wer zum Beispiel mal in einem Computerladen gejobbt oder sich nicht nur mit Gaming, sondern auch mit der Programmierung von Computerspielen beschäftigt hat, für den ist Informatik sicher ein spannendes Studienfach“, fasst Helmut Suchrow zusammen.

Wer zudem nach dem Schulabschluss noch eine Ausbildung etwa zum/zur Fachinformatiker/-in absolviert, dem wird das Studieren aus der Praxis heraus wahrscheinlich leichter fallen, rät der Berufsberater.

Interview

„Unternehmen suchen Spezialisten und Generalisten“

Juliane Petrich, Leiterin Bildung beim Digitalverband Bitkom, spricht im Interview mit studienwahl.de über die Schwerpunkte im Informatikstudium.

studienwahl.de:Frau Petrich, was sind die aktuellen Trends in der IT, die auch Informatik-Studierende betreffen?

Foto von Juliane Petrich.

Juliane Petrich, Leiterin Bildung beim Digitalverband Bitkom

Foto: Bitkom

Juliane Petrich: In den Unternehmen gibt es zahlreiche wichtige Zukunftsthemen, darunter zum Beispiel künstliche Intelligenz, Big Data, also die wirtschaftliche Nutzung großer Datenmengen, die Automatisierung in der Industrie und natürlich die IT-Sicherheit. In zunehmendem Maße beschäftigen sich auch die Hochschulen mit diesen Themen, aber erfahrungsgemäß dauert es immer eine Weile, bis die Inhalte eines Studiums weiterentwickelt oder ganz neue Studiengänge akkreditiert werden.

studienwahl.de:Es gibt doch aber bereits Studiengänge wie IT-Sicherheit oder Big Data?

Juliane Petrich: Das sind meist Masterstudiengänge. Im Bachelorstudium stellt man sich in der Regel erst einmal breiter auf. Spezialisierungen gibt es dann meist erst im Master. Die Politik hat jedoch die Notwendigkeit von spezialisiertem Fachwissen erkannt und hat zum Beispiel in Berlin 50 neue Professuren eingerichtet, die sich mit Themen wie digitale Infrastrukturen, digitale Gesundheit oder digitale Gesellschaft beschäftigen.

studienwahl.de:Was ist aus Ihrer Sicht besser: sich im Studium zu spezialisieren oder sich breit aufzustellen?

Juliane Petrich: Grundsätzlich braucht man erst einmal informatische Grundkenntnisse. Wer sich im Master dann spezialisieren will, sollte schon im Bachelorstudium in verschiedene Bereiche hineinschnuppern, um herauszufinden, was ihm wirklich liegt. Unternehmen suchen auf jeden Fall beides: Spezialist(inn)en und Generalist(inn)en. Mit einem Informatikstudium kann man derzeit erst einmal nichts falsch machen, denn jede Branche durchläuft gerade die digitale Transformation. Daher sind auch Geo-, Bio- Wirtschafts- und für andere Branchen spezialisierte Informatiker gefragt.

studienwahl.de:Abgesehen vom Studium: Wie kann ich noch mehr über die neuesten Trends in der IT erfahren und lernen?

Juliane Petrich: Öffentliche und private Einrichtungen bieten zahlreiche Weiterbildungsmöglichkeiten an. Es gibt unzählige Fachzeitschriften und Podcasts zu den unterschiedlichsten Themen. Fachveranstaltungen und Konferenzen mit dem Schwerpunkt digitale Transformation können auch für Studierende interessant sein. Hier bekommt man ein gutes Gespür für aktuelle Trends. Und natürlich bieten sich nach wie vor Praktika oder Kooperationen mit Unternehmen für die Bachelorarbeit an, um neben dem – vor allem an der Universität – theorielastigen Studium Praxiserfahrung zu sammeln. Diese Chancen sollten Informatiker/-innen nutzen, auch wenn sie ohnehin auf dem Markt stark nachgefragt sind.

Studienreportage IT-Security

Lernen, wie man Daten verschlüsselt

Ben Becks beendet gerade sein Bachelorstudium „IT-Sicherheit / Informationstechnik“ und ist schon mit einem Fuß im Masterstudium.

Foto von Ben Becks.

Ben Becks

Foto: Privat

In der Oberstufe entschied sich Ben Becks für Informatik als Leistungskurs. Daher stand für ihn fest, dass er gern etwas in diesem Bereich studieren wollte. „Die reine Informatik fand ich allerdings zu langweilig, ich hatte schon immer am meisten Spaß an mathematischen Rätseln“, berichtet der 24-Jährige. Er absolvierte einen Online-Test, um herauszufinden, welches Studium am besten zu seinen Interessen passen würde. Heraus kam unter anderem das Fach „IT-Sicherheit / Informationstechnik“ an der Ruhr-Universität Bochum.

Vorkenntnisse sind für diesen Studiengang keine nötig: „Vom Abiturwissen aufbauend werden alle notwendigen Themengebieten – von der Kryptographie über Programmiersprachen bis hin zur diskreten Mathematik – bei ‚Null‘ anfangend vermittelt“, ist auf der Website der Ruhr-Universität Bochum zu lesen. Interesse an logischem Denken und technischen Zusammenhängen sei die beste Voraussetzung für das Studium.

Wie kann man Daten verschlüsseln?

Die Studieninhalte bestehen aus drei Kernbereichen: Elektrotechnik, Informatik und Mathematik, hier hauptsächlich die Kryptographie. „Am spannendsten fand ich vor allem in den ersten Semestern die Einführung in die Kryptographie: zu sehen, welche Möglichkeiten es gibt, Daten zu verschlüsseln und sie gegen Angreifer zu sichern“, berichtet Ben Becks. Nach dem Aufbau der Grundlagen können die Studierenden drei Fächer als Schwerpunkte wählen.

Ben Becks entschied sich für die Implementierung kryptographischer Verfahren, für XML- und Webservicesicherheit sowie für Datenschutz. In einem Laborpraktikum erforschte er außerdem, wie physikalische Eigenschaften von Funkverbindungen genutzt werden können, um daraus eine Verschlüsselung zu generieren. „Außerdem habe ich in Verbindung mit meiner Bachelorarbeit ein sechsmonatiges Praktikum in der Industrie gemacht“, sagt Ben Becks. Bei einem großen Automobilzulieferer beschäftigte er sich damit, wie Hackerangriffe über die mobilen Schnittstellen eines Autos erkannt werden können.

Nahtloser Übergang in den Master

Derzeit absolviert Ben Becks ein Auslandssemester an der Universität Prag, wo er sich ebenfalls Vorlesungen zum Thema Informatik und IT-Sicherheit anhört. Diese Zeit in Tschechien kann er sich schon auf sein Masterstudium anrechnen lassen, das er nach dem Abschluss seines Bachelorstudiums belegen möchte. Der Master „IT-Sicherheit / Informationstechnik“ an der Ruhr-Universität Bochum baut auf dem Bachelorstudiengang auf. Wie es danach weitergeht, weiß Ben Becks noch nicht genau. Seine Ideen: „Ich könnte mir vorstellen, eine Doktorarbeit zu schreiben oder in der Industrie in die Forschung zu gehen.“

Berufsreportage Softwareentwicklung

Robotern das Laufen beibringen

Schon im Informatik-Studium hat sich Sarah Gillet mit Robotik beschäftigt. Heute forscht sie an Einsatzmöglichkeiten für mobile Roboter.

Foto von Sarah Gillet.

Sarah Gillet

Foto: Privat

Dass sie ihre Informatikkenntnisse in der Praxis einsetzen kann, war Sarah Gillet bei der Wahl ihres Studienfachs besonders wichtig. Daher entschied sie sich für ein Bachelorstudium der Angewandten Informatik mit dem Anwendungsfach Robotik an der Technischen Universität Dortmund. Für das Masterstudium wählte sie das Fach Kerninformatik mit dem Nebenfach Robotik. „Meine Masterarbeit habe ich in Elektrotechnik zu einem Thema der mobilen Robotik geschrieben“, erklärt die 27-Jährige.

Nach dem Masterabschluss bewarb sie sich bei einem Personaldienstleister und hatte ihren ersten Einsatz bei Kuka, einem Maschinenbauunternehmen, das unter anderem Industrieroboter entwickelt und herstellt. Nach eineinhalb Jahren wurde sie von dem Augsburger Unternehmen übernommen. „Von Anfang an habe ich in der Konzernforschung gearbeitet“, berichtet Sarah Gillet. Sie und ihr Team sind für die Bereiche Navigation und mobile Robotik zuständig – also für Roboter, die sich auf Rollen durch einen Raum bewegen und dabei zum Beispiel über eine Kamera ihre Umgebung erkennen und eigenständig Hindernisse umfahren können.

Kommunikation ist wichtig

Eine Aufgabe, an der die Informatikerin in den vergangenen Jahren gearbeitet hat, ist das EU-geförderte Projekt RobDream: Bei jedem seiner Einsätze sollte der Roboter dazulernen und damit seine Aufgaben immer zuverlässiger erledigen. „Ich habe dafür die passende Software am Computer entwickelt und diese dann in unserem Labor am Roboter getestet“, erzählt Sarah Gillet. Funktionierte etwas noch nicht wie gewünscht, musste sie weiter programmieren und andere Lösungen finden.

„Jeder in unserer Abteilung hat ein anderes Spezialgebiet, meines ist die mobile Robotik. Ein anderer Kollege kümmert sich zum Beispiel um Perzeption, also unter anderem den Einsatz der Kamera.“ Team- und Kommunikationsfähigkeit sind also wichtige Voraussetzungen für einen Job in der Softwareentwicklung. „Es ist gut, dass ich mich schon im Studium interdisziplinär aufgestellt habe und dadurch ein breites Wissen, zum Beispiel auch aus der Regelungstechnik und der Mechanik, mitbringe“, freut sich Sarah Gillet. „Denn so kann ich die unterschiedlichen ‚Sprachen‘ der vielen Beteiligten an unserem Projekt besser verstehen.“ Das Projekt RobDream ist mittlerweile abgeschlossen. Nun bringt die Informatikerin in einem neuen Projekt Robotern bei, in Supermärkten Regale einzuräumen.

Weitere Informationen

studienwahl.de
Studienfeld „Informatik“
www.studienwahl.de/de/chstudieren/chstudienfelder/mathematik-naturwissenschaften/mathematik-naturwissenschaften0143.htm

abi.de
Rubrik studieren > Was studieren?
www.abi.de/studium/studiengaenge.htm

Bitkom e.V.
www.bitkom.org

Bundesverband IT-Mittelstand e.V.
www.bitmi.de

eco – Verband der Internetwirtschaft e.V.
www.eco.de

Hochschule Neubrandenburg
Studiengang Geoinformatik
www.hs-nb.de/studiengaenge/bachelor/geoinformatik-beng/aktuelles

Ruhr-Universität Bochum
www.ei.rub.de/studium/its/bachelor

Hinweis: Links in älteren Themen des Monats werden nicht aktualisiert.

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