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Neun bunte Quadrate auf einem roten Hintergrund.

Offizieller Studienführer für Deutschland

Ein Studierender sitzt mit Laptop auf einer Bank.
Foto: Julien Fertl

Lernformen Digital studieren

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„Unser Dozent erklärte, wir sollen jede Woche über die Lernplattform fünf bis 20 Videos anschauen, im Anschluss Fragen dazu beantworten und dann gut vorbereitet in die Vorlesung kommen. Das ist eine andere Art zu lernen – zwar aufwändiger, macht aber auch mehr Spaß“, resümiert sie.

In den Videos spricht der Dozent drei bis zehn Minuten lang frontal in die Kamera. Zusätzlich werden Stichworte eingeblendet und die Studierenden sehen, welche Befehle er parallel in Excel oder der Statistik-Software SPSS eingibt. Die anschließenden Multiple-Choice-Fragen seien eine gute Lernkontrolle. In der Vorlesung selbst kann ihr Dozent dank der Vorarbeit gezielt auf individuelle Probleme mit dem Stoff eingehen. „Jeder hat ein anderes Lerntempo. So wird er allen gerecht“, sagt Carlotta Dilcher.

Digital unterstützte Interaktion

Carlotta Dilcher

Carlotta Dilcher

Foto: Privat

Um den Lernstatus vor Ort zu testen, nutzt ihr Dozent ein sogenanntes Audience Response System. „Das funktioniert wie bei einer Zuschauerumfrage“, erklärt die Studentin. „Über ein internetfähiges Privatgerät wie Smartphone oder Tablet-PC loggen wir uns auf einer Plattform ein und beantworten in Echtzeit die Fragen. Am Beamer sehen wir sofort, welche Antwort Favorit ist. Das kann echt lustig sein, wenn 95 Prozent auf die falsche Antwort tippen.“ Auch ihr Dozent nimmt’s dann mit Humor und erklärt den Stoff eben noch einmal. Die Inhalte der Vorlesung werden später außerdem in einer Übung vertieft, die Carlotta Dilcher ebenfalls mithilfe digitaler Tools absolviert. „Wir treffen uns mit den Tutoren im PC-Pool der Uni und rechnen alle Aufgaben in Excel oder SPSS selber noch einmal durch.“

Nicht alle Studierenden sind begeistert von der sogenannten Flipped-Classroom-Methode. „Es geht vielen auf die Nerven, dass sie vorab so viel machen müssen. Weil wir aktiv eingebunden sind, bleibt aber auch mehr hängen. Und dank der Videos ist das Lernen auch nicht so zäh“, findet sie. Auch Paul Rapp, Berater für Abiturienten in der Agentur für Arbeit Potsdam, merkt an: „Studierende müssen sich darauf einstellen, dass digitale Lernmethoden mit Selbstlernphasen an der Uni Einzug halten. Die Studienberatungen an den Hochschulen können über den jeweiligen Innovationsstand informieren.“ Zunächst gilt es aber, sich über das Studienfach klar zu werden. „Dann erst kann ich schauen, ob ich eine Uni vorziehe, die digitale Lernmethoden nutzt oder lieber klassisch studiere. Sich der Digitalisierung zu entziehen, hielte ich aber nicht für klug, denn die Berufswelt schreitet dort unaufhaltsam voran“, gibt er den Abiturientinnen und Abiturienten mit auf den Weg.

Meinung

Digital oder analog?

Unter Lehrenden, Hochschulverwaltungen und Vertreter(inne)n der Politik wird derzeit heiß über digitale Lernmethoden diskutiert. Studienwahl.de hat zwei sehr konträre Meinungen eingefangen.

Malte Persike, Psychologie-Dozent an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz

Malte Persike

Malte Persike

Foto: Foto Hartmann

„Die Digitalisierung in der Hochschullehre ist absolut notwendig. Unsere Absolventinnen und Absolventen finden eine Arbeitswelt vor, die von der Digitalisierung geprägt ist. Wir müssen digitale Kompetenzen vermitteln, die gesamte Lehre digitalisieren! Denn so schaffen wir es, die Uni wieder zu dem zu machen, was sie ursprünglich einmal war: ein Ort, an dem man sich austauscht und gemeinsam um die beste Lösung ringt. Mit Hilfe eines Abstimmungstools können mehrere Hundert Kommilitonen in einer Vorlesung interagieren und sich einbringen – auch weil wir ihnen vorher digital die Möglichkeit gegeben haben, sich intensiv mit dem Thema zu beschäftigen. Wir sitzen zukünftig also statt in einem Hörsaal in einem gemeinsamen Lernraum. Für Lehrende bedeutet das zunächst viel mehr Arbeit, da der Einsatz neuer Lernmedien aufwändig ist. Aber es lohnt sich. Ich bin nun nicht mehr der Mensch, der von der Kanzel predigt, sondern der Lernbegleiter, der seinen Studierenden hilft, zu mündigen Wissenschaftlern zu werden.“

Matthias Burchardt, Bildungsforscher an der Universität zu Köln

Matthias Burchardt

Matthias Burchardt

Foto: Privat

„Für mich ist die Digitalisierung der Hochschulbildung ein Fluch, weil digitale Medien keinesfalls bessere Lernerfolge erzielen. Im Gegenteil, Bildung wird trivialisiert und verkommt zum Infotainment. Das, was am Unterhaltsamsten ist, bekommt die meiste Aufmerksamkeit und nicht das, was vielleicht am Schlausten ist. Auch ermöglichen analoge Medien eine viel tiefere Wissensverarbeitung, in dem sie persönliche Spuren hinterlassen. Ich erinnere mich leichter, wenn ich haptisch Dinge begreife und beim Lesen etwas markiere oder Gedanken dazu handschriftlich ergänze. Das ist Fakt. Deshalb setze ich bewusst keine digitalen Medien in meinen Kursen ein. Ich bin kein Technikfeind, Digitale Instrumente als Erkenntnismethode wie Simulationen in den Naturwissenschaften oder Datenanalyseprogramme für die Statistik sind wunderbar. Auch habe ich nichts dagegen, wenn besonders technikaffine Kolleg(inn)en digitale Lehrmaterialien erarbeiten und ausprobieren. Aber ganze didaktische Konzepte darauf auszurichten, ist falsch. Denn diese zielen nur darauf ab, den Lernprozess zu ökonomisieren und nicht etwa darauf, den Wissenshorizont zu erweitern.“

Interview

Technikaffinität als Antrieb

Anne Thillosen vom Leibniz-Institut für Wissensmedien und Projektleiterin der Plattform e-teaching.org gibt im Interview einen Einblick in Status-quo und Zukunft der digitalen Lehre.

studienwahl.de: Welche Rolle spielen digitale Lehr- und Lernformen an Hochschulen?

Anne Thillosen

Anne Thillosen

Foto: Privat

Anne Thillosen: Der Stand beim Einsatz von E-Learnings ist von Hochschule zu Hochschule, von Studiengang zu Studiengang und von Dozentin zu Dozent unterschiedlich. Grundsätzlich hat sich sehr viel getan: Es gibt zum Beispiel kaum noch Vorlesungen ohne Powerpoint, auch stellen die meisten Dozent(inn)en ihre Skripte digital zur Verfügung. Abstimmungstools werden genutzt. Außerdem werden vielerorts E-Prüfungen durchgeführt. Eigentlich alle Hochschulen bieten mittlerweile Online-Lernplattformen an, auf denen Lernmaterialien zur Verfügung gestellt werden. Die Entscheidung über den Einsatz treffen oft die Lehrenden. Je medien- und technikaffiner sie jeweils sind, umso eher vermitteln sie ihr Wissen anhand von Vorlesungsaufzeichnungen, Online-Self-Assements und Co. Dabei spielt sicherlich auch das Fach eine Rolle, und die Frage, ob digitale Methoden zum Erkenntnisgewinn beitragen.

studienwahl.de: Gibt es trotzdem Hochschulen, die sich auf diesem Gebiet hervortun?

Anne Thillosen: Ja, die gibt es. Entscheidend ist hierbei allerdings, ob es punktuellen Einsatz oder eine Gesamtstrategie gibt. Positiv hervorzuheben sind aus meiner Sicht die RTWH Aachen, Universität Frankfurt, Ruhr-Universität Bochum, FU Berlin sowie die TU Darmstadt. Das sind einige der Treiber. Doch auch sie wollen nicht die Präsenzlehre abschaffen, sondern probieren aus, wie digitale Elemente die Lehre bereichern können. Die staatlichen Hochschulen, die ganze virtuelle Studiengänge anbieten, haben eine andere Zielgruppe: berufsbegleitend oder Teilzeit Studierende, also die, die bisher klassische Fernstudiengänge belegt haben. Ähnlich die sogenannten MOOCs: Sie haben das lebenslange Lernen aller im Fokus – also auch das von Menschen ohne Hochschulberechtigung.

studienwahl.de: Wie wird die Hochschule der Zukunft aussehen?

Anne Thillosen: Die Präsenzlehre wird es weiter geben, genauso wie Bücher als Lernmedien. Das ist ja ein effektives Lernmittel, aber es werden immer mehr digitale Elemente einfließen. Auf lange Sicht wird  das die Didaktik gravierend verändern, auch wenn noch nicht geklärt ist, wie das genau aussehen wird. Schaut man sich Flipped Classroom an, ist das sicher zunächst ein konsequent weitergedachtes klassisches Seminar-Konzept: Ich erarbeitete selbständig ein Thema und spreche dann mit anderen über meine Erkenntnisse. Allerdings funktioniert das mit digitalen Elementen oft besser.

Von A bis (fast) Z

Glossar zum digitalen Dschungel

Wie an der Johannes-Gutenberg Universität werden heute schon an vielen Hochschulen verschiedene digitale Lernformen eingesetzt. Doch welche Angebote gibt es noch neben Flipped Classroom und Audience Response System (ARS)? Studienwahl.de klärt über ausgewählte Begriffe auf.

Tablet, Handy, Textmarker und Laptop liegen auf einem Tisch.

Foto: Vanessa Mund

Adaptive Lernumgebungen passen sich an die individuellen Bedürfnisse der Studierenden an und schalten Lerninhalte erst nach bestandenen Tests frei. Adaptive Umgebungen wurden bereits in Forschungsprojekten erprobt, etwa an den Universitäten Kassel, Paderborn und des Saarlandes. Datenschutzrechtliche Bedenken sprechen allerdings derzeit gegen einen breiten Einsatz an deutschen Hochschulen.

Blendend Learning, auch hybrides oder integriertes Lernen genannt, verknüpft Präsenzunterricht mit Online-Medien. Hierbei kommen häufig digitalisierte Lernelemente zum Einsatz, auf die die Studierenden über Online-Lernplattformen zugreifen können. Etwa 36 Prozent aller Hochschulen in Deutschland bieten Veranstaltungen in dieser Form an.

Digitalisierte Lernelemente sind etwa Vorlesungsaufzeichnung (Live digitized Lectures), Podcasts, Simulationen, Lernspiele, Skripte als PDF, Self-Assessment-Tests und andere. Zur Verbreitung der Lernelemente werden oft Online-Lernplattformen genutzt.

E-Assessments sind Klausuren, die an einem Computer in den Räumen der Hochschule geschrieben werden. Sie erfolgen unter den gleichen Bedingungen wie mit Papier und Stift, wobei die Identität der Prüflinge eindeutig nachgewiesen werden muss. Das schließt derzeit noch eine Online-Durchführung an privaten Computern aus. E-Assessments sind an den meisten Hochschulen bereits etabliert.

E-Learning bezeichnet alle Lernformen, bei denen digitale Medien zum Einsatz kommen. Das Lernen kann dabei zeitlich und räumlich getrennt und aus dem Zusammenhang einer festen Lerngruppe herausgelöst sein. An fast allen deutschen Hochschulen werden E-Learning-Formen angeboten.

Learning Analytics bezeichnet die Analyse von Studierendendaten zur Messung und Optimierung des Lernerfolgs. Dabei wird etwa das Nutzungsverhalten auf einer Online-Lernplattform dokumentiert und analysiert. In Deutschland wird das Verfahren derzeit nicht angewandt, da es nicht mit den geltenden Datenschutzgesetzen der Länder vereinbar ist.

Massive Open Online Course (MOOC) sind offene, oft kostenlose Online-Kurse ohne Zugangsvoraussetzungen. Dabei sind die Inhalte so aufbereitet, dass Lerneinheiten durch kurze Tests unterbrochen werden. Bekannte MOOC-Plattformen sind Udacity, Coursera oder edX. Einige deutsche Unis bieten dort auch Kurse an. Die FH Lübeck betreibt eine eigene Plattform unter dem Namen „mooin“. Die Kurse schließen mit einer Prüfung samt Zertifikat ab. Allerdings ist es nicht möglich, die Kurse als Credits im Studium direkt einfließen zu lassen. Die beteiligten Hochschulen bieten aber eine Nachprüfung vor Ort an.

Online-Lernplattformen, auch genannt Lernmanagementsysteme, erlauben Studierenden und Lehrenden Inhalte auszutauschen und zu kommunizieren. Fast alle Hochschulen nutzen bereits solche Plattformen. Weit verbreitet sind die Systeme ILIAS, Moodle oder OLAT.

Virtuelle Studiengänge vermitteln den gesamten Lernstoff online. Für den fachlichen Austausch werden Chatrooms, Diskussionsforen oder Online-Lernplattformen genutzt. In Deutschland bieten zehn staatliche Hochschulen virtuelle Studiengänge an. Sie haben sich in der Virtuellen Fachhochschule (VFH) zusammengeschlossen. Aber auch die Angebote klassischer Fernstudienanbieter können z.T. diesem Begriff zugeordnet werden.

Weitere Informationen

Bildungsportal Sachsen

Das Portal listet unter anderem E-Learning-Projekte an sächsische Hochschulen und gibt damit einen guten Überblick, was Studierende dort erwartet.

www.bildungsportal.sachsen.de

Virtuelle Hochschule Bayern (vhb)

Die Virtuelle Hochschule Bayern (vhb) bietet ein studienbegleitendes Online-Kursprogramm an, das von allen Studierenden in Bayern kostenlos genutzt werden kann.

www.vhb.org

e-teaching.org

Hier gibt es praxisorientierte Informationen zu digitalen Medien in der Hochschulbildung. Das nicht-kommerzielle Portal ist ein Angebot des Leibniz-Instituts für Wissensmedien.

www.e-teaching.org

Auswahl an Plattformen für Massive Open Online Courses (MOOC)

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