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Ein Kompass liegt auf der Wiese

Offizieller Studienführer für Deutschland

Drei Schüler in der Universitäts-Bibliothek.
Wer sich frühzeitig mit dem Umfeld Hochschule vertraut macht, ist von Anfang an im Vorteil. Foto: Martina Striegl

Vor dem Studium an die Hochschule – je früher desto besser

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Im Juni hat Felix Schröder wahrscheinlich sein Abi in der Tasche. Der 18-Jährige ist sich sicher, dass er Mathematik studieren wird. Zu seinem Studienwunsch maßgeblich beigetragen hat die mathematische Schülergesellschaft „Leonhard Euler“ der Humboldt-Universität zu Berlin. Seit der achten Klasse nimmt der Gymnasiast an dem außerschulischen Angebot teil. Nach einem Auswahltest öffneten sich ihm die Pforten zum wöchentlichen Zirkel im mathematischen Institut der Berliner Universität.

Senkrechtstart im Mathezirkel

Die mathematische Schülergesellschaft richtet sich an begabte Schüler der siebten bis 13. Klasse. Einmal in der Woche treffen sich die Teilnehmer für zwei Stunden zur Zirkelarbeit; die Themen erweitern den mathematischen Schulstoff.

Selbstmotivation ist dabei wichtig: „Wer zu Hause nicht arbeitet, kommt im Oberstufenzirkel nicht mehr weiter“, sagt Felix Schröder. Der Ablauf der Doppelstunden ähnelt dem in der Schule: Unterricht durch eine feste Bezugsperson und Hausaufgaben sind angesagt. Schrittweise werden die Schüler angehalten, kreative Wege einzuschlagen, wenn es um mathematische Probleme geht. Abstrakte Themen wie Zahlentheorie oder die Beweisführung von Sätzen in der Geometrie werden vertieft. Da trennt sich die Spreu vom Weizen: „Es sind jetzt in der 13. Klassenstufe immer weniger, die regelmäßig kommen. Der harte Kern ist doch arg zusammengeschmolzen“, erzählt Felix Schröder.

Neben der mathematischen Schülergesellschaft gibt es an der Humboldt-Uni auch Schülergesellschaften für die Fächer Chemie, Biophysik, Altertumswissenschaften, Französisch und Italienisch. Außerdem können Oberstufenschüler etwa an einer Mathematik-Sommerschule, einem Camp für Wirtschaftsinteressierte oder der Studieninformationswoche teilnehmen. Aber die Berliner Uni ist nicht die einzige, die verschiedene Angebote für Schüler bereit hält. Die meisten deutschen Hochschulen veranstalten inzwischen Früh-, Junior- oder Schülerstudium, Schnupperstudium, Orientierungswochen, Sommerunis und -camps, Infotage, Tage der offenen Tür und Vor- oder Brückenkurse.

Früh- oder Schnupperstudium?

Noch in der Schule und doch schon an der Uni? Angebote wie Früh- oder Schnupperstudium machen’s möglich.

Junge Menschen unterhalten sich in der Aula einer Hochschule.

Frühstudium: Vor Ort oder lieber in der Online-Variante?

Foto: Alex Becker

Bei einem Frühstudium (auch Junior- oder Schülerstudium genannt) können Schüler während der Schulzeit an regulären Lehrveranstaltungen verschiedener Studienfächer an Hochschulen teilnehmen. Oftmals können sie sich die erbrachten Leistungsnachweise – etwa in Form von Credit Points – in einem späteren Studium sogar anrechnen lassen, vor allem wenn dieses an derselben Hochschule absolviert wird.
Die Zulassungsvoraussetzungen sind von Hochschule zu Hochschule unterschiedlich, jedoch richten sich Frühstudien in der Regel an besonders begabte und leistungsstarke Oberstufenschüler, verlangen eine Zustimmung der Schule (bei Minderjährigen auch der Eltern) und erfordern unter Umständen die Teilnahme an einem Auswahlverfahren.
Da die Seminare, Vorlesungen und Übungen häufig mit den Unterrichtszeiten kollidieren, gibt es auch Hochschulen, die im Frühstudium auf elektronische Lernformen setzen. So zum Beispiel die Uni Rostock: Die Teilnehmer können die Vorlesungen jederzeit im Internet abrufen, Materialien herunterladen und sich in Online-Chats und Foren mit Dozenten, Tutoren und Mitstudierenden austauschen (). In der Regel sind Frühstudien kostenfrei, allerdings gibt es auch kostenpflichtige Angebote wie etwa von oncampus, der E-Learning-Tochter der Fachhochschule Lübeck.

Ebenfalls an regulären Lehrveranstaltungen teilnehmen können Schüler, die ein Schnupperstudium machen. Dabei stellen die Hochschulen in der Regel ein Programm aus Veranstaltungen zusammen, die für Schüler geeignet sind. Anmelden muss man sich dafür meist nicht, jedoch werden auch keine Leistungen erbracht und angerechnet. Daneben gibt es auch in den Schulferien zahlreiche Angebote: Sommeruniversitäten oder Ferienhochschulen bieten Gelegenheit, für einige Tage oder mehrere Wochen bei speziellen Kursen, Vorlesungen, Übungen oder Experimenten dabei zu sein und so Studiengänge und Hochschulen kennenzulernen. Manchmal werden sogar Betriebe besucht, wie etwa bei S.U.N.I., der Sommeruniversität für Frauen in Natur- und Ingenieurwissenschaften an der Uni Duisburg-Essen, oder do-camp-ing an der .

Die meisten Angebote gibt es im MINT-Bereich (also Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik), jedoch inzwischen auch viele in den Geistes-, Wirtschafts- und Rechtswissenschaften, zum Beispiel an den Unis Göttingen, Oldenburg, Regensburg und Würzburg. Eine Übersicht über Infotage und Schnupperstudien finden Sie in der Veranstaltungsdatenbank von studienwahl.de.

Self-Assessments und Vorkurse

Wer sich noch nicht sicher ist, welchen Studiengang er/sie wählen soll, oder wer herausfinden möchte, ob die eigenen Stärken und Fähigkeiten zum Wunschstudiengang passen, kann ein Self-Assessment absolvieren. Wissenslücken vor dem Studium lassen sich beispielsweise in Vorkursen schließen.

Eine weitere gute Möglichkeit um herauszufinden, welcher Studiengang der richtige ist, sind die Self-Assessments, die immer mehr Hochschulen anbieten. Bei Self-Assessments kann in Orientierungsverfahren und Studierfähigkeitstests unterschieden werden, d.h. darunter sind einerseits Testverfahren zu finden, über die Sie herausfinden können, welche Studiengänge zu Ihren Neigungen und Fähigkeiten passen, und solche, mit Hilfe derer Sie abgleichen können, ob Sie für Ihren Wunschstudiengang geeignet sind.

Eine Übersicht über studiengangsbezogene Self-Assessments aus allen Fachbereichen finden Sie auf abi>>. Eine größere Auswahl an Tests bieten zum Beispiel die Uni Bonn, die Uni Freiburg, die HAW Hamburg und die RWTH Aachen an. Beim Studierfähigkeitstest für Mathematik der RWTH Aachen beispielsweise werden Matheverständnis und räumliches Denken verlangt, aber keine Mathekenntnisse aus dem Schulwissen abgefragt. Schnelligkeit wird ebenso getestet wie Frustrationstoleranz.

In Baden-Württemberg ist der Nachweis über die Teilnahme für eine Bewerbung an einer Hochschule des Bundeslandes zum Wintersemester 2011/12 beispielsweise Pflicht. Hier können Studieninteressierte ihre Interessen und Fähigkeiten unter www.was-studiere-ich.de testen und erhalten eine Übersicht geeigneter Studiengänge sowie ein Zertifikat für die Teilnahme an dem Online-Test.

Wer sich bereits für einen Studiengang und eine Hochschule entschieden hat, kann sich gezielter auf Infotagen und Einführungsveranstaltungen über Inhalte und Anforderungen erkundigen. Zur gezielten Studienvorbereitung bieten sich auch Vor- oder Brückenkurse an, in denen Schulwissen aufgefrischt und auf das Lerntempo an der Hochschule vorbereitet wird. Die meisten Vor- und Brückenkurse (überwiegend Mathematik) gibt es für naturwissenschaftlich-technische Fächer, doch auch etwa für Betriebswirtschaftslehre werden solche Angebote durchgeführt. Wo Vorkurse angeboten werden, erfahren Sie z.B. in der Veranstaltungsdatenbank von studienwahl.de.

In jedem Fall lohnt es sich, die Zentrale Studienberatung an den Hochschulen aufzusuchen und sich über Studiengänge, Inhalte, Anforderungen und Orientierungshilfen informieren zu lassen. Welche weiteren Beratungsangebote es an den Hochschulen gibt, können Sie im Beitrag „Die Beratungsangebote an den Hochschulen“ nachlesen. Und natürlich helfen auch die Berater für akademische Berufe der örtlichen Arbeitsagenturen bei Fragen zur Studienorientierung weiter.

Frühzeitig akademische Luft schnuppern

studienwahl.de sprach mit Wolfgang Loggen, dem Leiter der Zentralen Studienberatung der Rheinisch-Westfälisch Technischen Hochschule Aachen (RWTH), über Sinn und Zweck der Angebote von Hochschulen für Schüler.

Porträtfoto von Wolfgang Loggen

Wolfgang Loggen

Foto: Privat

Es gibt ja mittlerweile eine ganze Reihe an Angeboten von Hochschulen für Schüler und Abiturienten. Welchen Nutzen haben denn Schnupperstudium & Co. überhaupt für diese Klientel?

Wolfgang Loggen: Einen ganz klaren Nutzen haben Angebote wie Schnupperstudium, Sommeruniversität oder Informationstage, um Schüler frühzeitig auf das Thema Studium aufmerksam zu machen. Frühzeitig heißt dabei nicht erst zwei Monate vor der Aufnahme eines Studiums, sondern mindestens ein Jahr vorher, besser noch früher. Die Studienberatung und die genannten Veranstaltungen machen ja nicht in erster Linie Werbung für die Hochschulen, sondern sollen eine optimale Vorbereitung auf das Studium darstellen. Natürlich ist auch die Hochschule daran interessiert, Studierende zu bekommen, die für die Fächer auch tatsächlich geeignet sind.

Sind Angebote wie Schnupperstudium, Sommeruniversität etc. nur für ganz bestimmte Schüler gedacht?

Wolfgang Loggen: Es gibt sicherlich einen Schwerpunkt bei den naturwissenschaftlichen und technischen Studiengängen, da sie allgemein als schwierig und arbeitsintensiv gelten. Einwöchige Sommeruniversitäten oder Schnupperstudien sollen dazu beitragen, Vorurteile abzubauen. Denn nur das Studium ist schwierig, das nicht zu mir passt. Ich kann in jedem Studium Schiffbruch erleiden, wenn es nicht mit meiner wirklichen Begabung übereinstimmt, auch Noten müssen darüber nicht unbedingt etwas aussagen.

Sollte man als Schüler bzw. Abiturient möglichst viele Angebote nutzen oder eher ganz spezielle?

Wolfgang Loggen: Die einzelnen Angebote gehen von verschiedenen Ausgangssituationen aus, sie sollten aber immer in Verbindung mit der Studienberatung genutzt werden. Das gilt auch für die Self-Assessments, bei denen z.B. auf der Website der RWTH Aachen die eigene Studierfähigkeit getestet werden kann. Das Juniorstudium „Studieren vor dem Abi“ beispielsweise ist für besonders begabte Schüler der Oberstufe gedacht, die gute Noten aufweisen. Der Vorkurs richtet sich wiederum an Studienanfänger, die bereits wissen, was sie studieren wollen und für ein Studium wie Maschinenbau ihre Mathekenntnisse auffrischen möchten.

Schon mal reingeschnuppert

Vor sieben Jahren zeltete Tina Schmelter (25) als Schülerin auf dem Campus der Technischen Universität Dortmund und schnupperte erstmals Hochschulluft. Bis zum Ende ihres kürzlich abgeschlossenen Maschinenbaustudiums an der TU hat sie selbst Schüler während des einwöchigen do-camp-ings betreut.

Als die ersten Schüler den Campus Nord der TU Dortmund eroberten, war Tina Schmelter eine von ihnen. Ein Jahr vor ihrem Abitur trat die damals 18-Jährige mit 60 anderen Schülern zum einwöchigen Abenteuer Ingenieurwissenschaften in den Sommerferien an. „Die damalige Koordinatorin von do-camp-ing war in meinem Mathe-Leistungskurs erschienen und hatte Werbung für das außergewöhnliche Programm gemacht. Da wusste ich sofort, das ist was für mich“, erzählt die gerade fertig gewordene Maschinenbauerin, die in Dortmund studiert hat. Sie füllte den Bewerbungsbogen aus und zog mit ihrem Schlafsack sowie anderen Schülern aus ganz Deutschland in ein großes Zelt.

Insgesamt 100 Euro kostete die Woche, die prall gefüllt war: Die Teilnehmer erkundeten beispielsweise die Fakultäten Elektrotechnik und Informationstechnik, Maschinenbau, Informatik und Raumplanung, erfuhren in Vorträgen, was an den jeweiligen Lehrstühlen gelehrt wird und nahmen an einer Betriebsbesichtigung des Duisburger Stahlwerks der ThyssenKrupp AG teil. Das Unternehmen ist bis heute (neben der WILO SE) einer der Kooperationspartner von do-camp-ing. Darüber hinaus wirkten die Schüler an einem von mehreren Praxisprojekten mit, die zur Auswahl standen. Tina Schmelters damaliges Wunschprojekt wäre an der Fakultät Maschinenbau angesiedelt gewesen. Da es damit allerdings nicht klappte, kam sie in der Elektrotechnik unter.

Beim Elektrotechnikprojekt „Art meets Hightech“ ging es darum, ein Gruppenfoto in eine Siliziumplatte – wie sie für Solarmodule verwendet wird – zu ätzen. Dafür wurde das Digitalfoto am Rechner gerastert, in ein Negativ umgewandelt und mit Hilfe spezieller Geräte auf das Silizium übertragen. „Uns wurde gezeigt, wie das funktioniert und dann durften wir alle Arbeitsschritte komplett selber durchführen“, erzählt Tina Schmelter. Gearbeitet wurde in einem Reinraum, der komplett staub- und luftdicht abgeschlossen war. Selbstverständlich musste sie dabei die entsprechende Kleidung tragen, inklusive Schutzbrille und Atemmaske. „Das Arbeiten im Reinraum war sehr beeindruckend“, erzählt sie, „auch wenn mir danach nur umso klarer war, dass Maschinenbau eben mehr mein Ding ist.“

Von der Teilnehmerin zur Betreuerin

In Bezug auf die Studienwahl hat ihr das do-camp-ing viel gebracht, da sie ihren Studienwunsch dadurch bestätigt sah. „Auch die Einblicke in die Lehrstühle und die Gespräche mit den Studenten haben mir einen Eindruck davon gegeben, wie an der Uni geforscht und gelernt wird“, sagt sie. „Allerdings haben wir keine Vorlesungen besuchen können, da es die Programmpunkte innerhalb der Woche einfach nicht zulassen. Dieser Aspekt hat schon ein bisschen gefehlt.“

Jahrelang war Tina Schmelter als Studentin selbst Betreuerin beim do-camp-ing. „Natürlich gibt es von Jahr zu Jahr kleine Veränderungen, weil versucht wird, das Feedback der Schüler umzusetzen. Beispielsweise kommen inzwischen auch Ingenieure an die TU Dortmund, um von ihrem Arbeitsalltag zu berichten“, erklärt die ehemalige Teilnehmerin. „Aber die teilnehmenden Fakultäten und auch die Projekte sind im Großen und Ganzen gleich geblieben.“

Vernarrt in Bücher

In der Ferienhochschule der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur (HTWK) Leipzig experimentierte und forschte Michaela Thum besonders gern an der Fakultät Medien. Seitdem liebäugelt die 18-Jährige mit dem Bachelorstudiengang „Buchhandel/Verlagswirtschaft“ an der Hochschule.

Ihre ältere Schwester hatte nach ihren Erfahrungen beim Girls’Day an der HTWK Leipzig ein Studium der Elektro- und Informationstechnik aufgenommen – und ermunterte Michaela Thum, es doch einmal mit der Ferienhochschule zu probieren, die sich speziell an Schülerinnen der zehnten bis zwölften Klasse richtet. „Bei mir geht es allerdings mehr in die geisteswissenschaftlich-künstlerische Richtung“, erzählt die Schülerin, die in diesem Jahr in Chemnitz ihr Abitur machen wird. Mit guten Noten in ihren Leistungskursen Deutsch und Geschichte wusste sie zunächst nur, wo es später ungefähr hingehen sollte: in die Medien. Klarheit sollte der Besuch der Ferienhochschule im Oktober 2010 verschaffen.

Für das kostenlose Angebot meldete sich Michaela Thum direkt über die Internetseite der Hochschule an. „Ein Auswahlverfahren gab es nicht, da wir nur 15 Mädchen waren“, erzählt die 18-Jährige, die es im kleinen Kreis viel persönlicher fand.

Kleine Wasserwächter und riesige Maschinen

Von 9 bis 13 Uhr lernten die Schülerinnen an fünf Tagen fünf Fakultäten der HTWK näher kennen: Bauwesen, „Elektrotechnik und Informationstechnik“, „Maschinen- und Energietechnik“, „Informatik, Mathematik und Naturwissenschaften“ sowie Medien. Neben einem Rundgang über den Campus und speziellen Veranstaltungen in den beteiligten Fakultäten konnten die Schülerinnen auch an regulären Seminaren und Vorlesungen teilnehmen. Nachmittags standen dann praktische Übungen an. Beispielsweise wurde ein kleiner Wasserwächter hergestellt, der ein Signal gibt, wenn die Waschmaschine ausläuft. „Besonders gespannt war ich natürlich auf die Fakultät Medien“, erzählt Michaela Thum. „Beim Rundgang zeigten uns die Professoren die riesigen Maschinen, mit denen Zeitungen gedruckt werden. Und sie erklärten uns von A bis Z, wie eigentlich ein Buch hergestellt wird und welche Druckverfahren angewendet werden. Das konnten wir selbst an einem Lesezeichen ausprobieren, das wir dann auch mit nach Hause nehmen durften.“

Die Ferienhochschule hat der Schülerin viel gebracht: Als Studienwunsch hat sich bei ihr der Bachelorstudiengang „Buchhandel/Verlagswirtschaft“ herauskristallisiert. Da dieser Studiengang einer örtlichen Zulassungsbeschränkung unterliegt, legt sich Michaela Thum in der Schule nun ins Zeug, um mit ihrer Abiturdurchschnittsnote beim Auswahlverfahren der Fakultät Medien zu bestehen.

Eigeninitiative ist Trumpf

Manchmal geht es schnell: Schon kurz nach seiner Anmeldung zum Juniorstudium an der Friedrich-Schiller-Universität Jena konnte Benjamin Freist (18) einen Tag in der Woche an Seminaren und Vorlesungen an der Hochschule teilnehmen. Vor allem begeistert ihn die Physik.

Im vergangenen September besorgte sich Benjamin Freist die Anmeldeformulare für das Juniorstudium der Uni Jena aus dem Internet. Bereits zum Wintersemester 2010/11 hörte der Schüler, der die zwölfte Klasse der Landesschule Pforta, eine Internatsschule für begabte Schüler, besucht, seine ersten Vorlesungen in Klassischer Experimentalphysik, Linearer Algebra sowie Analysis und nahm am Grundpraktikum A in Physik teil. „Das ging alles sehr unbürokratisch“, berichtet der 18-Jährige, der kommenden Juni seine Abiturprüfungen ablegen wird. „Meine Schule hatte nichts dagegen einzuwenden, dass ich am Juniorstudium teilnehme, und nach einer E-Mail an den Leiter der Physikalisch-Astronomischen Fakultät war ich sogar noch für das Wintersemester angemeldet.“

Von da an war der Juniorstudent jeden Donnerstag vom Schulunterricht freigestellt: Anstelle von Schulphysik und zwei Stunden Geschichte konnte Benjamin Freist nun seine ersten Lehrveranstaltungen in Mathematik und Physik besuchen.

Das Juniorstudium der Thüringer Uni richtet sich an leistungsstarke Schüler ab der zehnten Klasse der Gymnasien in Jena und Umgebung. Wer an diesem Frühstudium teilnehmen darf, entscheidet die Schule, da sie die Schüler auch vom Unterricht befreien muss. Dabei zählt vor allem, wie die Schule deren Befähigung einschätzt, das Juniorstudium neben dem regulären Schulbesuch zu packen.

Credit Points für das spätere Studium erarbeitet

In Benjamin Freists Fall hatte sich die Schulleitung nicht getäuscht, was seine Leistungsstärke anbelangt: Vier Kurse schloss der Juniorstudent am Ende des Semesters mit Prüfungen erfolgreich ab. Und auch seine Schulnoten können sich nach wie vor sehen lassen. Er hat sich so bereits 28 Credit Points erarbeitet. Seine Studien- und Prüfungsleistungen kann er sich in einem späteren Studium per Antrag anerkennen lassen, besonders, wenn er ein Studium an der Uni Jena aufnimmt.

Den 18-Jährigen begeistert vor allem ein Fach: „Ich möchte nach dem Abi auf jeden Fall Physik studieren.“ Ob er Physik im Hauptfach wählt und beispielsweise Informatik oder ein anderes Fach dazu nimmt, da ist er sich noch nicht sicher, das gleiche gilt für den Studienort. „Jena ist sicherlich eine Option“, meint er, da er die Uni gut fand. Dennoch setzt er sein Juniorstudium im Sommersemester 2011 nicht fort, um sich jetzt erst einmal auf seine bevorstehenden Abiturprüfungen vorzubereiten. Sein Fazit: Er hat nicht nur viel dazu gelernt, auch die größeren Freiheiten im Unibetrieb haben ihm sehr gefallen.

Hürden erfolgreich genommen

„Hin und weg“ vom Studiengang „Medizinische Biotechnologie“ war Luise Borufka (20) beim Hochschulinformationstag der Universität Rostock. Über das mediengestützte Juniorstudium der Uni verfestigte sich der Studienwunsch der heute Studierenden.

Porträtfoto von Luise Borufka

Luise Borufka

Foto: Privat

In der elften Klasse fand Luise Borufka, dass es Zeit sei, sich um ihr künftiges Studium zu kümmern. Darum besuchte die damalige Schülerin des Gymnasiums am Sonnenberg in Crivitz, Mecklenburg-Vorpommern, den Hochschulinformationstag der Universität Rostock. „Im Audimax hörten wir verschiedene Schnuppervorlesungen. Ein Professor stellte schließlich die Medizinische Fakultät und den Studiengang ‚Medizinische Biotechnologie’ vor. Dabei fiel dann der Satz ‚Biotechnologie ist eine Mischung aus Medizin und Biologie’. Spätestens da hatte er meine volle Aufmerksamkeit“, erinnert sich Luise Borufka.

Heute studiert die 20-Jährige „Medizinische Biotechnologie“ bereits im vierten Semester. Doch um ihr Wunschfach antreten zu können, musste sie noch einige Hürden überwinden, denn nach der anfänglichen Begeisterung stellte sich Ernüchterung ein: „Zu den Auswahlkriterien zählten neben den Einzelnoten in Deutsch, Mathe und Englisch auch die Noten in Biologie, Physik und Chemie. Ich hatte aber nur Biologie als Naturwissenschaft, Chemie und Physik seit der neunten Klasse nicht mehr.“ Ihre Leistungskurse – Biologie und Latein – sowie ihre Grundkurse für die Oberstufe standen zu diesem Zeitpunkt längst fest. „Ich hatte eigentlich vor Medizin zu studieren und dachte, dass Latein dabei von Nutzen sein könnte“, erklärt sie.

„Richtige“ Vorlesungen am heimischen Rechner

Dennoch hielt Luise Borufka an ihrem Studienwunsch fest. Über einen Fernsehbeitrag wurde sie auf das mediengestützte Juniorstudium der Universität Rostock aufmerksam, bei dem Vorlesungen unter anderem in den Studiengängen Chemie/Medizin, Biologie, Informatik, Germanistik, Wirtschaftswissenschaften oder Jura zur Auswahl stehen. Das Besondere daran: Man braucht zu den Veranstaltungen nicht in der Uni präsent sein, sondern kann die Vorlesungsvideos daheim am PC abrufen, weshalb es auch keine Überschneidungen mit Unterrichtsstunden gibt. Luise Borufka meldete sich an und wurde angenommen. „So viele waren es nicht, die sich beworben hatten, das Juniorstudium war damals noch ganz neu.“

Während des Semesters nahm sie an „Grundlagen Chemie für Mediziner“ teil, einer Vorlesung mit Experimenten, die im Studiengang „Medizinische Biotechnologie“ Pflicht ist. „Die Originalvorlesungen konnte man zu Hause am PC hören“, erläutert sie. Auch beim praktischen Teil konnte sie virtuell dabei sein: „Es war natürlich stressig, aber meine Biologielehrerin hat mich sehr unterstützt.“ Als sie sich schließlich nach bestandenem Abitur für „Medizinische Biotechnologie“ an der Uni Rostock bewarb, klappte es zwar nicht auf Anhieb. „Da für die Einzelnotengewichtung nur die Oberstufenhalbjahre gezählt wurden, hatte ich in Chemie und Physik schlechte Karten, dafür aber in den anderen relevanten Fächern sehr gute Noten“, sagt Luise Borufka. Beim zweiten Anlauf immatrikulierte sie sich schließlich im Nachrückverfahren zum Wintersemester 2009/10.

Weitere Informationen


Informationsquellen zum Thema:

Deutscher Bildungsserver
Auf der Startseite finden sich in der Rubrik „Schüler > Edulinks > Wie geht's weiter nach der Schule? Studien- und Berufswahlinformationen > Infos zum Studium für Schüler/innen > Informationsangebot an Hochschulen für Schüler/-innen“ verschiedene Links, die zu Angeboten von Hochschulen führen.
www.bildungsserver.de

Studienberatung der Hochschulen
Informationen zu den Kontaktmöglichkeiten der Zentralen Studienberatung und der Fachstudienberatung finden Sie auf den Internetseiten der jeweiligen Hochschule.

Akademische Teams der Agenturen für Arbeit
Kontakt zu den Teams für akademische Berufe in den örtlichen Agenturen für Arbeit können Sie über folgende Seite aufnehmen: www.arbeitsagentur.de/nn_29892/Navigation/Dienststellen/Dienststellen-Nav.html

abi>> dein Weg in Studium und Beruf
Im abi-Portal der Bundesagentur für Arbeit können Sie sich über Orientierungsangebote, Überbrückungsmöglichkeiten zwischen Abitur und Studium sowie über Studiengänge, Ausbildungen und Berufe informieren.
www.abi.de (Zwischen Schule und Beruf > Vorbereitung Studium)

Netzwerk Wege ins Studium
Auf der Seite des Partnernetzwerks gibt es u.a. Informationen zu Studieninformationstagen, Schnupperstudien, Sommeruniversitäten und Praktika.
www.wege-ins-studium.de

BERUFENET
Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit (BA)
mit über 3.500 ausführlichen Berufsbeschreibungen in Text und Bild.
www.berufenet.arbeitsagentur.de

KURSNET
Das Portal für Aus- und Weiterbildung der Bundesagentur für Arbeit.
Hier können Sie auch nach Studiengängen suchen.
http://kursnet-finden.arbeitsagentur.de/kurs/index.jsp

Hochschulkompass
Informationsangebot der Hochschulrektorenkonferenz (HRK).
Hier können Sie unter anderem nach Studienangeboten recherchieren.
www.hochschulkompass.de

Vorgestellte Orientierungsangebote:

Schülergesellschaften der Humboldt-Universität zu Berlin
Im Schulportal der Humboldt-Uni finden Sie auch eine Übersicht der Schülergesellschaften.
www.hu-berlin.de/schule_content/schueler

Do-camp-ing an der Technischen Universität Dortmund
www.tu-dortmund.de/uni/Einstieg/docamping/de/do-camp-ing

Ferienhochschule der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur Leipzig
www.htwk-leipzig.de/de/studieninteressierte/angebote-fuer-schueler/ferienhochschule

Juniorstudium an der Friedrich-Schiller-Universität Jena
www.uni-jena.de/Juniorstudium.html

Mediengestütztes Juniorstudium an der Universität Rostock
juniorstudium.uni-rostock.de

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