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Ein Tablet und ein Apfel liegen auf der Wiese

Offizieller Studienführer für Deutschland

Abiturienten sitzen auf der Wiese und lesen im Studien- und Berufswahl-Heft
Studienfachwahl – typisch Frau, typisch Mann?

In den zurückliegenden Jahrzehnten allerdings hat sich diese Situation grundlegend verändert, die Zahl der weiblichen Studierenden hat stetig zugenommen. Im Studienjahr 2015 schrieben sich mit 253.064 Studienanfängerinnen und 250.575 Studienanfängern zum zweiten Mal in Folge mehr Frauen als Männer neu an deutschen Hochschulen ein.

Fächerwahl folgt klassischen Mustern

Trotz dieser erfreulichen Entwicklung hat sich im Laufe der Jahre die typische Fächerwahl beider Geschlechter nicht wesentlich verändert: Männer und Frauen studieren nach wie vor überwiegend geschlechtertypische Fächer, traditionelle Muster werden aber aufgebrochen.

Studienanfängerinnen entscheiden sich häufiger für ein Fach aus den Sprach- und Kulturwissenschaften, den Sozialwissenschaften, für einen Studiengang im Bereich Gesundheit und soziale Dienste oder für ein Lehramtsstudium. In ingenieurwissenschaftlichen sowie in einigen naturwissenschaftlichen Fächern dagegen sind weibliche Studierende weiterhin unterrepräsentiert. Ihr Anteil in den Ingenieurfächern ist allerdings leicht gestiegen, und die Arbeitsmarktentwicklungen zeigen, dass Frauen in technischen Berufen gute Chancen und Berufsperspektiven haben.

Doch auch männliche Studienanfänger orientieren sich bei ihrer Fächerwahl an klassischen Mustern: Sie belegen überwiegend Fächer mit einem traditionell hohen Männeranteil, nahezu entgegengesetzt der Studienwahl von weiblichen Studierenden. Männer stellen in den MINT-Fächern (= Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) die Mehrheit und sind gleichzeitig z.B. in den Gesundheits- und Pflegewissenschaften oder den Sprach- und Kulturwissenschaften unterrepräsentiert.

Statistik: Studiengangswahl von Männern und Frauen im Vergleich.

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Ein solches geschlechtsstereotypes Berufswahlverhalten ist auch in der dualen bzw. schulischen Ausbildung festzustellen: Junge Männer wählen überwiegend Ausbildungsberufe aus den Bereichen Metall, Elektro, Bau oder Verkehr, junge Frauen entscheiden sich mehrheitlich für Berufe in Verwaltung und Büro, Körperpflege oder Dienstleistung.

Traditionelle Rollenbilder?

Den Hintergrund für diese geschlechtsstereotype Berufs- und Studienfachwahl bilden oft auch unterbewusst klassische Geschlechtsrollenbilder, die nach wie vor Männlichkeit mit Technik und Weiblichkeit mit sozialen und kommunikativen Kompetenzen in Verbindung setzen. Diese traditionellen Rollenbilder werden z.T. auch unbewusst weitervermittelt, z.B. wenn die Leistungsfähigkeit von Mädchen in mathematischen und naturwissenschaftlichen bzw. die von Jungen in sozial-kommunikativen Fächern unterschätzt wird.

Beliebteste Studiengänge bei Frauen und Männern nach Angabe des Statistischen Bundesamtes. Auf Platz 1 ist jeweils die Betriebswirtschaftslehre, es folgen bei Männern Maschinenbau, Informatik, E-Technik und Rechtswissenschaften. Bei Frauen sind auf Platz 2-5 die Germanistik, Rechtswissenschaft, Humanmedizin, gefolgt von Erziehungswissenschaften.

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Mit zahlreichen Initiativen und Angeboten wenden sich deshalb Hochschulen und Verbände an Schülerinnen, um diese für technisch-naturwissenschaftliche Ausbildungen oder Studienfächer zu begeistern. Auch für Schüler gibt es mittlerweile an verschiedenen Hochschulen spezielle Angebote, um den geringen Männeranteil in einigen Fächern zu überwinden. Einige dieser Angebote wollen wir Ihnen kurz vorstellen und weiterführende Hinweise geben.

Informationen und Angebote
für Schülerinnen und Studentinnen

Umfangreiche Informationen rund um das Thema Frauen und MINT bietet die Website des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Nationalen Pakts für Frauen in MINT-Berufen („Komm, mach MINT“).

Auf www.komm-mach-mint.de finden Sie u.a. eine Projektlandkarte mit derzeit bundesweit über 1.000 Projekten, Schnuppertagen, Stipendien, Mentoring-Angeboten und Wettbewerben für Schülerinnen und Studentinnen.

Technik schnuppern

Ein technisches oder naturwissenschaftliches Studium beginnen, ohne zu wissen, was einen wirklich erwartet? Hier schaffen zahlreiche Hochschulen mit Veranstaltungen speziell für Schülerinnen Abhilfe. Wenn Sie konkret wissen möchten, auf was Sie sich einlassen, dann forschen Sie mal an den Hochschulen Ihres Interesses nach, ob die entsprechenden Fachbereiche Frauen-Schnuppertage, -Sommeruniversitäten o.Ä. anbieten, wo Sie die Fächer und deren Studieninhalte kennenlernen.

  • Das "Niedersachsen-Technikum" etwa bietet jungen Frauen Einblicke in naturwissenschaftlich-technische Berufe und Studienfächer. Es beinhaltet u.a. ein sechsmonatiges Praktikum in einem Unternehmen. Weitere Informationen und die zwölf beteiligten Hochschulen finden Sie auf der Internetseite der Koordinierungsstelle(www.niedersachsen-technikum.de).
  • Such-Tipps für weitere derartige Angebote sind die Websites zum GirlsDay und zu "Komm, mach MINT" des Kompetenzzentrums Technik-Diversity-Chancengleichheit e.V. oder die Website des Kompetenzzentrums „Frauen für Naturwissenschaft und Technik“ der Hochschulen Mecklenburg-Vorpommerns (www.kompetenzzentrum.fh-stralsund.de) sowie die Webseiten der Hochschulfrauenbeauftragten.
  • Eine regionale Übersicht über Schnupperangebote der Hochschulen für Frauen und Mädchen gibt es z.B. auf der Website des Netzwerks „Frauen. Innovation. Technik.“ (F.I.T) Baden-Württemberg (www.scientifica.de), beim Netzwerk Frauen- und Geschlechterforschungforschung NRW (www.netzwerk-fgf.nrw.de), beim Netzwerk „Zukunft durch Innovation“ (zdi) (www.zdi-portal.de) sowie bei der „Thüringer Koordinierungsstelle für Naturwissenschaft und Technik“ (www.thneko.de).

Studiengänge nur "für sie"

Einige Hochschulen bieten spezielle Frauenstudiengänge an, die in besonderer Weise die Bedürfnisse und Interessen von Frauen an einem naturwissenschaftlich-technischen Studium berücksichtigen. Hierzu gehören z.B. Studienangebote verschiedener Fachhochschulen in den Bereichen Wirtschaftsingenieurwesen oder Informatik. Die Studienpläne umfassen neben den (auch für die männlichen Kommilitonen verbindlichen) Fachinhalten zusätzliche Lehrveranstaltungen und Schwerpunktsetzungen, die weitere Stärken von Frauen bedienen, z.B. Projektmanagement und Kommunikationstraining.

Infos und Service für Frauen an Hochschulen

An den meisten Hochschulen gibt es Gleichstellungs- und Frauenbeauftragte.  Diese haben, oft in beträchtlichem Umfang, ein spezielles Angebot für Studentinnen, Doktorandinnen, Nachwuchswissenschaftlerinnen und Professorinnen aufgebaut. Gleichstellungsbüros an Hochschulen bieten unterschiedliche Alltagshilfen wie Informationen und Kontakte zur Wirtschaft und zu Berufsverbänden, ebenso Unterstützung bei Diskriminierung und sexueller Belästigung.

Außerdem organisieren sie fachunabhängige Veranstaltungen zu Beruf und Karriere, Angebote für Frauen zur Verbesserung der Medienkompetenz und zur Vermittlung von Schlüsselqualifikationen. Bei vielen Hochschulfrauenbüros gibt es zudem Informationen und Unterstützungsangebote zum Thema "Studieren mit Kind".

Adressen der Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten finden Sie direkt bei den Hochschulen oder im Zentralen Verzeichnis Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte an den Hochschulen in der Bundesrepublik Deutschland, nach Ländern geordnet, auf der Webseite von BuKoF, der Bundeskonferenz der Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten an Hochschulen (www.bukof.de). Dort sind auch die Kontaktdaten der Landeskonferenzen der Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten an Hochschulen zu finden (Service-Seiten).

Die Webseiten der Hochschulen und der Studentenwerke bieten Ihnen auch die Möglichkeit, Informationen über die Vereinbarkeit von Familie und Studium abzurufen.

Generell interessante Infos zu Hochschule und Studium aus Frauensicht sind auf der Webseite des Kompetenzzentrums Frauen in Wissenschaft und Forschung (Center of Excellence Women in Science CEWS) zu finden.

Mentoring und Karriereförderung für Studentinnen

Beim Mentoring begleitet eine erfahrene Person (Mentorin bzw. Mentor) eine Studentin in den ersten Fachsemestern (Mentee), um diese zu unterstützen und in ihrer persönlichen und beruflichen Entwicklung zu fördern.

  • Im "MentorinnenNetzwerk für Frauen in Naturwissenschaft und Technik" engagieren sich berufserfahrene Frauen aus Wissenschaft und Wirtschaft, um Studentinnen und Absolventinnen in ihrer beruflichen Entwicklung zu fördern. Studentinnen wiederum können als Mentorinnen für Schülerinnen aktiv werden.
  • Im "Ada-Lovelace-Projekt" in Rheinland-Pfalz motivieren Studentinnen der MINT-Fächer Mädchen und junge Frauen zu einem Studium oder einer Ausbildung in diesen Fächern. Die Mentorinnen geben den Schülerinnen z.B. praktische Tipps und berichten von ihren persönlichen Erfahrungen.
  • "CyberMentor" vermittelt Schülerinnen eine persönliche E-Mail-Mentorin, die in Wirtschaft oder Wissenschaft im MINT-Bereich beruflich tätig ist oder ein MINT-Fach studiert. So lassen sich Einblicke in den Beruf und praktische Tipps für die Studien- und Berufswahl gewinnen. Daneben gibt es eine Community-Plattform für Diskussionen und Erfahrungsaustausch.
  • Zur Karriereförderung für Frauen bietet die Femtec - Hochschulkarrierezentrum für Frauen Berlin GmbH, in Kooperation mit verschiedenen Hochschulen das Programm "Careerbuilding" für den weiblichen Führungsnachwuchs an. Das Programm gibt den Studentinnen höherer Semester die Chance, frühzeitig die richtigen Weichen für den beruflichen Ein- und Aufstieg zu stellen.

Vernetzung erleichtert den Weg zum Erfolg

Gemeinsam sind sie stark: Gerade Frauen mit Berufen in sogenannten Männerdomänen verbünden und vernetzen sich, um gemeinsam ihre Interessen zu vertreten, einen an ihren Bedürfnissen orientierten fachlichen und beruflichen Austausch zu haben und sich gegenseitig zu unterstützen. Auch für junge Frauen sind solche Netzwerke oft eine gute Anlaufstelle, um sich ein Bild über die konkrete berufliche Situation des gewählten Fachs zu machen. Über die wichtigsten Frauen-Netzwerke, insbesondere für den Technik- und Informatikbereich, informiert die Webseite des Kompetenzzentrums Technik-Diversity-Chancengleichheit e.V.

Informationen und Angebote für Schüler und Studenten

Neben den Angeboten für junge Frauen wird inzwischen auch zunehmend Unterstützung speziell für junge Männer angeboten.

Das bundesweite Vernetzungsprojekt und Service-Büro "Neue Wege für Jungs" bietet Materialien und Informationen zur Berufs- und Lebensplanung für Jungen sowie ein Netzwerk zum Thema. Dort sind neben Vereinen, Behörden und Bildungswerken u.v.m. auch Hochschulen vertreten (www.neue-wege-fuer-jungs.de).

Zu nennen ist auch die Aktion Boy's Day des Kompetenzzentrums Technik-Diversity-Chancengleichheit e.V. (www.boys-day.de). Auf der Aktionslandkarte, dem "Boy's Day - Radar" können Sie Angebote in Ihrer Region recherchieren: www.boys-day.de/Boys_Day-Radar

Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) hat unter „Perspektiven für Jungen und Männer“ (http://www.bmfsfj.de/BMFSFJ/Gleichstellung/perspektiven-fuer-jungen-und-maenner.html) Informationen und Links zur Gleichstellungspolitik für Jungen und Männer zusammengefasst. Hier gibt es Infos unter anderem zur Koordinationsstelle „Chance Quereinstieg/Männer in Kitas“ (http://www.koordination-maennerinkitas.de) oder dem Bundesforum Männer (https://bundesforum-maenner.de).


Hinweis

Wer ein mathematisch-naturwissenschaftliches Fach oder Sprachwissenschaften studieren möchte, in der Schule jedoch keine entsprechenden Leistungskurse belegt hatte, kann an manchen Hochschulen an Vorkursen teilnehmen, um noch vor Studienbeginn mögliche Wissenslücken, z.B. in Mathematik oder Englisch, zu schließen. Mehr dazu unter "Vorkurse".


Weitere Informationen

abi>> extra „Typisch“
Tipps und Hinweise zum Thema gibt mit anschaulichen Beispielen aus der Praxis das abi>> extra „Typisch Frau, typisch Mann“, erhältlich über die Agenturen für Arbeit oder als PDF-Download unter www.abi.de/bezugsmoeglichkeiten.htm.

Kompetenzzentrum Technik-Diversity-Chancengleichheit e.V.
www.kompetenzz.de

Nationaler Pakt für Frauen in MINT-Berufen
www.komm-mach-mint.de

Mach’ MINT
OnePage-Website der Bundesagentur für Arbeit
www.mint.arbeitsagentur.de

BuKoF
Bundeskonferenz der Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten an Hochschulen
www.bukof.de

Kompetenzzentrum Frauen in Wissenschaft und Forschung
(Center of Excellence Women in Science CEWS)
www.gesis.org/cews

MentorinnenNetzwerk
für Frauen in Naturwissenschaft und Technik
www.mentorinnennetzwerk.de

Ada-Lovelace-Projekt
www.ada-lovelace.com

CyberMentor
www.cybermentor.de

Forum Mentoring
www.kompetenzz.de/Netzwerke/Mentoring

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